5 Actionheldinnen, die nicht bloß sexy sind

Gute Actionheldinnen sind viel mehr als nur das böse, aber aufreizende Liebchen des Protagonisten. Sie können leiden, mitfühlen, sich weiter entwickeln und vor allem: den Männern richtig zeigen, wo es lang geht! Eine Liste meiner 5 liebsten Actionheldinnen abseits des Badass-Bondgirl-Image.

Die Mutter aller Actionheldinnen: Ellen Ripley aus Alien

1979 wagte es Ridley Scott, erstmals eine Frau als starke (und nicht aufgesexte) Actionheldin zu etablieren. Gegen den Widerstand der Produzenten ließ er die eigentlich als Mann angelegte Figur Ripley in eine Frau umschreiben – weil er Sigourney Weavers schauspielerische Leistungen so gut fand. Und der Film ist auch einfach ein Meisterwerk. Ein perfekter Spannungsbogen steigert kontinuierlich den Grusel vor dem Alien, das sich in das Raumschiff Nostromo einschleicht und das die Crew schließlich jagen muss, um zu überleben. Als Letzte bleibt Sigourney Weaver alias Offizier Ellen Ripley übrig und liefert sich einen Kampf auf Leben und Tod mit dem außerirdischen Wesen. Warum die Figur der Ellen Ripley neue Standards gesetzt hat? Sie ist weder die Jungfrau in Nöten noch die sexy angezogene Actionbraut, die mal ihre Waffen, mal ihre Beine akrobatisch über dem Kopf schwingt. Sie wird als menschliches Wesen und gleichberechtigtes Mitglied der Crew dargestellt, das kämpft, flucht, scheitert, leidet. Und das alles ohne Make Up.

Diana aus Wonder Woman

Obwohl ich kein Comic-Fan bin, fand ich den aktuellen Wonder Woman-Film von Patty Jenkins gelungen. Die Heldin läuft oft im knappen Outfit herum, und trotzdem wirkt ihre Darstellung nicht übersext. Das liegt zum einen daran, dass die Frauen am Anfang des Films unter sich sind. Die meiner Meinung nach besten Stunts finden bei den Ausbildungsszenen der Amazonen statt, und dort gibt es keine männliche Figur, die „sabbernd“ danebenstehen und beobachten könnte. Später, als Diana (Gal Gadot) an der Front des Ersten Weltkriegs kämpft, steht die realistische Darstellung des Krieges viel zu sehr im Vordergrund. Daher kommt auch kein unangenehmer Voyeurismus auf. Diana wird wirklich als aufopferungsvolle Heldin gezeigt, nicht als Badass-Action-Tussi. Auch die ehrliche, naive, aber nicht doofe Charakterisierung der jungen Wonder Woman ist erfrischend und sorgt für nette Situationskomik. Einziger Wermutstropfen: Aus Schmerz über eine Liebe entscheidet sich Diana, das Geschlecht der Menschen zu retten. Das klingt schon wieder sehr nach der klischeeigen Frau, die alles für ihren Typen opfert, weil er eben „I love you“ zu ihr gesagt hat. P.S.: Wer entdeckt Professor Lupin (Schauspieler David Thewlis) im Film? Ich habe mich sehr gefreut!

Hanna aus Wer ist Hanna?

Wer ist Hanna? (im Original einfach nur Hanna) ist eine reizvolle Mischung aus Action- und Teenager-Coming-of-Age-Film (und gleichzeitig das Actionfilm-Debüt von Regisseur Joe Wright). Die junge Hanna (gespielt von Saoirse Ronan) sieht aus, als könnte sie kein Wässerchen trüben, wurde aber von ihrem Vater zur knallharten Soldatin ausgebildet. Der Film beginnt als typischer Actionfilm à la Bourne-Identität, wird dann aber zum erstaunlich einfühlsamen Porträt einer 15-Jährigen, die ihr Teenager-Sein erst ausprobieren muss. Denn eigentlich will Hanna einfach nur wissen, wer sie ist und begibt sich deshalb auf einen bizarren Roadtrip quer durch Europa. Der Film gleitet trotz kurzer Liebes- und Freundschaftshandlungen nie ins Kitschige ab und geht dann in einen wahnsinnig guten Showdown über. Denn Hannas Erzfeindin Marissa, gespielt von Cate Blanchett, ist ihr stets auf den Fersen. Das Ganze wird mitreißend untermalt vom elektronischen Soundtrack der Chemical Brothers. Unbedingt anschauen!

Beatrix Kiddo aka The Bride aus Kill Bill

Ich habe die Kill Bill-Filme vor Jahren zum ersten Mal gesehen und hatte zuerst meine Zweifel. Ich hatte erwartet, die Filme würden Gewalt verherrlichen und die Heldin übersexualisiert darstellen, wie eben ein Badass-Bondgirl zum Beispiel. Wirklich sexy ist Uma Thurmann aka The Bride aber nicht. Im ersten Kill Bill ist sie vor allem angsteinflößend, da übermächtig. Man fiebert bei ihrem Rachefeldzug voller Martial Arts-Einlagen mit, aber sie ist keine Identifikationsfigur. Im zweiten Teil wird Beatrix Kiddo dann aber als Mensch aus Fleisch und Blut dargestellt.

Indem Tarantino jetzt auch die Ausbildung von Beatrix, ihre Beziehung zu Bill und später ihre Beziehung zu ihrer totgeglaubten Tochter beschreibt, wird aus der Comic-Kämpferin im ersten Teil ein echtes menschliches Wesen. Beatrix musste leiden und schwere Entscheidungen treffen. Ihre finale Entscheidung kann nur lauten: sich von Bill und damit von einer despotischen Vater- und Liebhaberfigur zu befreien. Sehr befriedigend, das Ganze.

Nebenbei interessant: Beatrix Kiddo wird in Kill Bill Vol. 2 zum ersten weiblichen Westernheld. Sie feminisiert also ein entschieden männliches Genre. Die ganze Ästhetik spielt auf die Italo-Western von Sergio Leone mit Clint Eastwood an. Man denke z.B. an typische Duellszenen, die mit dramatischen Schnitten auf die Gesichter, dann die Augen der Gegnerinnen eingeleitet wird. Vom Morricone-ähnlichen Soundtrack ganz zu schweigen.

Mallory Kane aus Haywire

Die Agentin Mallory Kane macht alles, was ihre Agentenkollegen sonst auch machen, nur besser. Sie wird in diesem Actionthriller von Steven Soderbergh von der Jägerin zur Gejagten und reibt ihre männlichen Gegner so RICHTIG auf. Die Storyline ist relativ konventionell: Die Agentin sieht sich von ihren Auftraggebern verraten und wird von ihnen fast ans Messer geliefert. In einer harten Kampfzene besiegt Agentin Mallory dann lustigerweise eine James Bond-Figur, wie sie im Buche steht: Den schlanken, eleganten Michael Fassbender im Frack. Besser kann man keine Absage erteilen an das ganze Bond-Genre mit seiner sexistischen Darstellung von Frauencharakteren. Anders als bei Kill Bill ist Mallory Kane in Haywire nur von männlichen Nebenfiguren umgeben. So wird der ganze Film ein bisschen zu einem Rundumschlag einer Frau gegen alle Männer, die sie hereinlegen wollen. Hauptdarstellerin Gina Canaro ist übrigens eine ausgebildete Mixed-Martial-Arts-Kämpferin und liefert alle Action-Szenen äußerst realistisch ab. Ohne Stunt-Double, versteht sich.

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16 Gedanken zu „5 Actionheldinnen, die nicht bloß sexy sind

  • August 19, 2017 um 7:51 pm
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    Superheldverfilmungen sind nichts für mich, aber ich freue mich, dass es Wonder Woman gibt. Auf Twitter zu mitbekommen, dass kleine Mädchen sich als Wonder Woman verkleiden wollen, das ist einfach schön. 😀

    Ich mag Alien auch ganz gern. Vor allem, weil alle Protagonisten als sehr normal dargestellt wurden, ganz einfache Arbeiter, die einfach nur nach Hause wollten. Mir hat’s daher auch gut gefallen, dass Ripley und Lambert vom Team ebenbürtig behandelt wurde.

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  • August 18, 2017 um 6:02 pm
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    Hey Sabine
    Ich habe „Alien“ vor kurzem geschaut und fand es wirklich super, dass eine Frau die Hauptrolle übernommen hat. Mir war aber gar nicht bewusst, wie es dazu kam und wieso es wirklich so genial ist! Da habe ich doch gleich Lust den Film nochmal zu schauen 🙂
    „Wonder Woman“ habe ich im Kino gesehen und war völlig begeistert! Ich mochte vor allem die Szenen auf der Insel mit den anderen Amazonen. Obwohl Diana und ihre Mitstreiterinen etwas knapp bekleided sind, fand ich es nicht zu stark sexualisiert. Der Fokus lag auf Ihrer Stärke und auf das Geschehen Drumherum und nicht „Diana hat einen sexy Körper, guck!“.
    Ausser „Wer ist Hanna?“, ich mochte den Film nicht wirklich, habe ich keinen der anderen Filme gesehen. Sie alle befinden sich aber auf meiner To-Watch Liste, die langsam aber sicher unmöglich zu meistens scheint 😀
    Liebe Grüsse und ein schönes Wochenende
    Julia

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  • August 17, 2017 um 4:33 pm
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    Wonderwoman will ich auch unbedingt noch sehen! Ich mag starke Frauen in der Literatur, im Film und im echten Leben!

    Antworten
  • August 17, 2017 um 10:16 am
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    Hallo Sabine,

    ich habe deinen Blog durch die Aktion „Kleine Blogs in Sicht“ entdeckt und bin total begeistert. Ich werde auf jeden Fall noch deine anderen Einträge lesen.
    „Alien“ und „Haywire“ kenne ich nicht, aber die anderen drei Filme finde ich toll und die haben den Platz auf dieser Liste wirklich verdient. Gerade Wonder Woman war für mich einer der besten Filme im bisherigen Kinojahr. Ein guter, feministischer Film, der aktuell im Kino läuft, ist „die Göttliche Ordnung“. Das ist kein Actionfilm, sondern darin geht es um die Einführung des Frauenwahlrechts in der Schweiz. Leider zeigen den nicht so viele Kinos, aber es lohnt sich auf jeden Fall.
    Falls ich einen kleinen Verbesserungsvorschlag äußern dürfte, fände ich ganz schön wenn du den „Folge mir auf WordPress“ Button einfügst, das macht das folgen immer etwas leichter.
    LG und weiter so
    Elisa

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    • August 17, 2017 um 10:25 am
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      Hi Elisa,

      vielen Dank für deinen Kommentar und deine Kino-Empfehlung! Ich werde mal schauen, ob der bei mir in der Nähe läuft.
      Ja, danke auch für den Tipp mit dem WordPress-Like-Button. Ich hab leider immer zu viel zu viel Lust, Beiträge zu schreiben, aber viel zu wenig, um mich um die technische Seite des Blogs zu kümmern! 😉
      Dann werde ich auch mal gleich bei dir vorbei schauen.
      LG, Sabine

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  • August 17, 2017 um 8:56 am
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    Ich muss sagen, dass ich Heywire und den neuen Wonder Woman noch nicht kenne. Aber Ripley und Rogue mich in meiner Kindheit/Jugend beeinflusst haben und Vorbilder waren. Ebenfalls die Wonder Woman Serie. Als Mädchen kann auch die Kämpferin sein.

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  • August 17, 2017 um 7:35 am
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    Also ich kann dir bei deiner Auswahl nur zustimmen! Alles fantastische, vielschichtige Frauenfiguren, die nicht nur auf ihre Optik begrenzt werden, sondern die Filme sogar tragen und im Mittelpunkt stehen :)! Für mich kommen da auch noch Leelo von „Das fünfte Element“ und Imperator Furiosa von „Mad Max: Fury Road“ hinzu:) Während Leelo auch eine weiche und verletzliche Seite hat, die immer wieder mal hervortritt, ist Furiosa an der Befreiung der als Sklaven gehaltenen Frauen interessiert, was ein tolles Symbol für den Feminismus ist, wie Frauen sich selbst aus dem sie unterjochenden Patriarchat befreien:)!

    Generell muss ich dir übrigens echt ein Lob für deinen Blog aussprechen! Ich bin über die Aktion „Kleine Blogs in Sicht“ auf deine Seite gekommen und ich mag deinen Fokus auf Feminismus (in Literatur & Film) sehr:)! Da triffst du bei mir ’ne Herzensangelegenheit! Musste dir auch gleich bei Twitter folgen, damit ich keine der zukünftigen Blogbeiträge verpasse:) Den über Feminismus & Jane Austen lese ich mir nachher auch durch:)
    Liebe Grüße:)
    Sven

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    • August 17, 2017 um 8:45 am
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      Hi Sven,
      ja da hast du Recht, Leelo hab ich vergessen! Hast du denn zufällig auch den neuen Luc Besson, „Valerian“, gesehen? Den fand ich ja toll und auch aus feministischer Warte nicht so schlimm, wie viele Kritiker geurteilt haben. Gegen „Mad Max“ hab ich leider n bisschen meine Vorurteile (die Handlung soll sehr langatmig sein), aber vielleicht kann ich mich doch noch durchringen, ihn anzusehen 😉
      Super, dass dir mein Blog gefällt, ich muss auch sofort bei dir vorbei schauen! Ich musste ihn aus beruflichen Gründen leider in letzter Zeit etwas vernachlässigen …
      LG, Sabine

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      • August 17, 2017 um 9:03 am
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        „Valerian“ hab ich noch nicht gesehen, da warte ich drauf, dass der bei Netflix oder Amazon Prime erscheint 😁 Mad Max hat leider auch eine eher schlechte Handlung und einige Schwächen, aber die Figur mochte ich :)!
        Ich hab meinen Blog auch etwas vernachlässigen müssen für nen Monat, bei mir war es aber Krankheit 😁
        LG 🙂

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    • August 17, 2017 um 8:59 am
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      In „Valerian“ fand ich es nett, dass man Valerian auch was hat machen lassen. In der Comicvorlage von 1971 war er eigentlich nur damit beschäftigt bewusstlos zu sein und Laureline hat sich schlichtweg um alles gekümmert.

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  • August 15, 2017 um 4:51 pm
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    Hallo
    eigentlich schaue ich nur selten fern, aber hier kenne ich alle (bis auf Wonder Woman) und muss sagen das die Auswahl echt toll ist. Sigourney Weaver ist eine meiner LieblingsDarstellerinnen. Sie muss nicht als hübsch anzusehen rüberkommen sondern prägt einfach durch ihren immens starken Charakter die ganze Geschichten. Und den Film „Wer ist Hanna“ fand ich außergewöhnliche mit dieser so jungen Darstellerin.
    Wünsche noch eine gute Zeit
    Liebe Grüße
    Kerstin

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    • August 17, 2017 um 8:41 am
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      Hi Kerstin,
      danke! 🙂
      Ja so eine Charakterdarstellerin wie Sigourney Weaver gibt’s selten – mir fallen jetzt spontan nur Cate Blanchett und Uma Thurman ein! Und Cate Blanchett sieht zwar gut aus, hat aber keine Angst, sich hässlich machen zu lassen …
      Ja ich liebe die „Hanna“-Darstellerin, seitdem ich sie in „Abbitte“ zum ersten Mal gesehen habe.
      Danke für deinen Kommentar und jetzt schaue ich auch mal bei deinem Blog vorbei!

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  • August 4, 2017 um 1:13 pm
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    „Wonder Woman“ ist ein wirklich fantastischer Frauenpower-Film! Ich war, um ehrlich zu sein, ziemlich skeptisch gegenüber diesem Film, weil mich bisher alle DC-Filme die ich gesehen hatte, enttäuscht haben. Aber nachdem so viele geschrieben haben, dass sie sich nach „Wonder Woman“ praktisch unbesiegbar fühlen, bin ich neugierig geworden. Und wow! Die Kampf- und Trainingsszenen der Amazonen sind wundervoll und total euphorisierend! Und als erster Superhelden-Film mit einer SuperheldIN gleich noch viel besser!

    LG
    Hanna

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  • August 2, 2017 um 7:05 pm
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    Ein spannender Beitrag und ich kann dir eigentlich nur zustimmen! Die letzte kenne ich noch gar nicht, das werde ich mir gleich genauer anschauen. Bei Wonder Woman war ich auch verblüfft, dass sie gar nicht so sexualisiert dargestellt wird, obwohl sie im knappen Outfit rumrennt.

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  • Juli 29, 2017 um 10:39 pm
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    Nächtliche Grüße & ein wirklicher feiner Beitrag mit mehr als guten Filmen! Dank Mareike (Bücherkrähe) und ihrer Aktion bin ich hier gelandet und werde mich die Tage definitiv nochmal intensiver umschauen!

    Liebe Grüße & gute Nacht
    Janna

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    • Juli 31, 2017 um 6:43 pm
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      Hey Janna, vielen Dank! Dasselbe werde ich bei dir tun! 🙂

      Antworten

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