Doctor Who – Frauenfiguren und Sexismus im Whoniverse

Warnung: Dieser Artikel wird eine wilde Mischung aus Fangirltum und (sicher nicht erschöpfender) Analyse eines popkulturellen Phänomens: des Doctors! Wer jetzt an Krankenhaus denkt, sollte dringend Doctor Who googeln, denn dahinter verbirgt sich eine der genialsten, verrücktesten und dramatischsten Fernsehserien Großbritanniens. Die Frauenfiguren spielen von jeher eine wichtige Rolle in der britischen Kultserie, ihre Darstellung war aber in letzter Zeit öfter der Sexismus-Kritik durch Fans und Medien ausgesetzt. Ab Herbst 2018 wird der Doctor selbst zum ersten Mal von einer Frau gespielt. Ich beschreibe, was die Serie für mich bedeutet und wie ich die Frauenfiguren darin einschätze –Achtung, es wird nerdig und ich muss ein paar Handlungselemente spoilern!

Was ist Doctor Who?

Um es ganz platt zu sagen: Doctor Who ist eine Serie für Leute, die Superhelden mit Tiefgang mögen. Der Doctor ist ein Außerirdischer, genauer ein „Time Lord“, der in einem Gefährt, das Mischung ist aus Raumschiff und Zeitmaschine (der TARDIS) ständig die Erde vor außerirdischer Bedrohung rettet und dabei Hilfe bekommt von zahlreichen menschlichen Begleitern („companions“). Neben diesen schrägen Plot-Elementen geht es bei Doctor Who aber immer auch um zwischenmenschliche Beziehungen und Opfermut (abseits von plattem Heldentum), deshalb ist die Serie für ihre Nerdigkeit erstaunlich massentauglich (komplexe Zeitreise-Theorien plus liebenswerter Held). Das beweist auch ihre Langlebigkeit. Doctor Who gibt es seit 1963 mit mittlerweile 12 Inkarnationen der Hauptfigur. In Großbritannien ist sie in etwa ein so großes Phänomen wie in Deutschland der Tatort, eigentlich noch größer, und macht definitiv mehr Spaß. Viele Darsteller des Revivals der Serie im Jahr 2005 sind mit dem „alten“ Doctor Who aufgewachsen, die Weihnachtsepisode ist jedes Jahr ein festes Event. Hinweis: Ich kenne nur die „neue“ Doctor Who-Serie und beschränke meine Beobachtungen darauf. Noch ein Wort zum Gestaltwechsel des Doctors.

Doctor Who Frauenfiguren

12 Mal Mann, einmal Frau – warum kann der Doctor das Geschlecht wechseln?

Die Figur des Doctors bekommt regelmäßig eine neue Gestalt und daher auch immer wieder eine neue Interpretation, je nach Darsteller. Ein Time Lord hat eine bestimmte Anzahl an Regenerationen zur Verfügung, sodass er sich verwandeln kann, sollte er tödlich verletzt werden. So ist er quasi „unsterblich“ oder kann zumindest an die 1000 Jahre alt werden. Die Idee der Regeneration war übrigens eine Notlösung für die damaligen Serienmacher – der allererste Doctor musste aus gesundheitlichen Gründen aus der Serie ausscheiden und wurde deshalb neu besetzt.

Die regelmäßige Neuinterpretation des Doctors ist aber längst zum Politikum im Fandom geworden, jeder Darsteller hat seine Anhänger. Bisher verwandelte sich der Doctor immer nur in einen Mann, obwohl das in der Logik der Serie keineswegs selbstverständlich ist – es war natürlich nur eine dramaturgische Entscheidung, die politisch motiviert war. Der Doctor sollte eine männliche Mentorenfigur bzw. seit dem Revival auch ein love interest für seine weiblichen companions bleiben. Die Rufe nach einer weiblichen Inkarnation wurden allerdings immer lauter. Endlich: Ab der 11. Staffel wird der Doctor zum ersten Mal von einer Frau, Broadchurch-Darstellerin Jodie Whittaker, gespielt. Jetzt genug der Vorabrede!

Der Doctor als tragischer Held

Über die Abenteuer mit dem Doctor, und die Entscheidungen, die sie treffen müssen, wird meistens die Entwicklung der einzelnen companions erzählt. Aber auch der Doctor ist kein plumper Actionheld, der nun mal alles kann und alles schafft. Deswegen schrieb ich „Superheld mit Tiefgang“: anders als bei den klassischen Superheldencomics ist der Protagonist hier eine tragische Gestalt, weil er unsterblich ist und sich daher von seinen menschlichen Begleitern regelmäßig trennen muss. Ein Zitat vom zehnten Doctor zu seiner Weggefährtin Rose Tyler: „You can spend the rest of your life with me. But I can’t spend the rest of my life with you.“ (aus Staffel 2, Folge „School Reunion“.) Und der Doctor hat Schwächen, trifft auch mal egoistische Entscheidungen. Trotzdem bleibt er am Ende des Tages der ewige Optimist, der den Menschen immer wieder hilft, auch wenn die nichts tun, um sich selbst zu helfen (was auch wieder eine gewisse Tragik hat). Ja, Doctor Who ist in Teilen sehr politisch, es werden z.B. Verfehlungen der Menschen aufgezeigt (siehe Klimaerwärmung, moderne Sklaverei …).

Das macht Doctor Who so mitreißend

Genauso wie meine Generation heimlich auf den Brief aus Hogwarts wartet, warten wahrscheinlich seit Jahrzehnten Whovians auf das bekannte „Whoosh-whoosh“ der landenden TARDIS, der blauen Telefonbox, die von innen viel größer ist als von außen. Denn beide Lebensgefühle in diesen fiktiven Welten sind vergleichbar: Ebenso wie Harry Potter die Zaubererwelt und damit seine Freiheit entdeckt, reißt der Doctor seine BegleiterInnen aus dem Alltagstrott und buchstäblich aus ihrer engen bürgerlichen Welt. Wer würde nicht gerne mal berühmte historische Persönlichkeiten wie Shakespeare treffen oder mit eigenen Augen sehen, was in 2000 Jahren aus der Erde geworden ist? Der Doctor steht für Aufbruchsstimmung, von der sich die companions mal zögerlich, mal bereitwillig mitreißen lassen.

Die Begleiter des Doctors sind seit den allerersten Folgen meist weiblich, das ist beim Revival nicht anders. Dabei gibt es meiner Meinung nach zwei „Generationen“ von companions: die aus den Staffeln 1-4 (von Showrunner Russel T. Davies) und die aus den Staffeln 5-10 (von Showrunner Steven Moffat), wobei ich die von Russel T. Davies bevorzuge. Ich möchte die wichtigsten Frauenfiguren aus diesen beiden „Äras“ von Doctor Who vergleichen.

Doctor Who Frauenfiguren Donna Rose

Die Entwicklung der Frauenfiguren bei Doctor Who bei Russel T. Davies

Rose Tyler

An Rose Tyler (gespielt von Billie Piper) scheiden sich die Geister, viele lieben sie, viele verachten sie aufgrund ihrer anfänglichen Naivität (ein ähnliches Phänomen wie bei der GoT-Figur Sansa Stark, fällt mir gerade auf). Ich finde, man muss beachten, wie ihre Figur angelegt ist: Sie wird als 19-jähriges Mädel aus der Arbeiterklasse eingeführt, das in einem hässlichen Sozialbau in London mit seiner alleinerziehenden Mutter aufgewachsen ist. Sie spricht Cockney und ist auf nette Art prollig, anders kann man es nicht ausdrücken, immer ein bisschen überschminkt und im Hip-Hop-Style gekleidet (die Mode der Nuller Jahre, großartig!). Das breite Publikum sollte sich mit ihr identifizieren (darum stieg das Revival auch mit einer Folge aus ihrer Sicht ins neue Jahrtausend mit Doctor Who ein). Rose passt außerdem wunderbar zu dem trashigen Charme, den Doctor Who zu dem Zeitpunkt noch hatte. Ich finde ihre Figur ganz wunderbar mitreißend. Sie will, dass ihr Leben endlich losgeht, dass etwas passiert. Und dann kommt dieser Typ in seiner blauen Box.

Dieses Unterschichtsmädchen wird nun vom neunten Doktor (Christopher Eccleston) aus seinem eintönigen Leben als Verkäuferin gerissen. Aber Rose stellt eben nicht allein das arme Aschenputtel dar, das nur auf den Prinzen gewartet hat. Denn sie wird im Lauf der Serie erwachsen und lernt, aus ihrer Passivität auszubrechen– am Ende von Staffel 1 rettet sie dem Doctor sogar das Leben. Er will sie eigentlich zwingen, in ihr sicheres Leben auf der Erde zurück zu kehren, sie kann das aber nicht akzeptieren, denn der Doctor selbst hat ihr gezeigt, worauf es im Leben ankommt: Eben nicht darauf, es bequem zu haben, sondern für andere einzustehen. In einer verzweifelten Rede an ihre Mutter (super eindringlich gespielt) macht Rose klar, wie der Doctor sie verändert hat und warum sie nicht mehr in ihr altes Leben zurückkehren kann: „The Doctor showed me a better way to live my life. You don’t just let things happen, you make a stand, you say no! You have the guts to make things right when everybody just runs away!“ (aus Staffel 1, Folge „The Parting of the Ways“). Dieses Zitat fasst sehr schön zusammen, wofür auch für mich die Figur des Doctors und die ganze Serie steht, für Loyalität, Opfermut, und dafür, dass ganz gewöhnliche Leute über sich hinauswachsen können.

Weibliche companions als love interest, der Doctor als heartthrob – Frauenfiguren bei Doctor Who

Wenn ich über Rose Tyler schreibe, muss ich über die zentrale Änderung der Doctor-companion-Beziehung seit der Neuauflage sprechen. Der Time Lord war schon seit seiner Einführung immer von jungen Frauen umgeben. Neu beim „Who-Revival“ war, dass Showrunner Russel T. Davies auf Romantik in der TARDIS setzte, sprich, die Begleiterinnen zum love interest für den Doctor machte (und umgekehrt). Das ging mit einigen kleinen Flirts und Eifersüchteleien zwischen Rose und dem neunten Doctor los und fand mit der nächsten Inkarnation des Time Lords, gespielt von David Tennant, einen höchst dramatischen Höhepunkt (ich meine: come on, David Tennant! Natürlich mussten sie das Romantik-Thema noch ein bisschen ausschlachten, bei DEM Charme, den der Mann hat! Beweise? Hier!).

Natürlich gibt es Fans, die das blöd finden – den coolen Doctor plötzlich als Mädchenschwarm neu zu erfinden (und nochmal: David Tennant!) Die romantischen Plots bei Doctor Who sind meiner Meinung nach aber immer noch sehr dezent gehalten.

Deshalb schreibt Doctor Who so gute Love Stories

Bleiben wir bei „Ten“ und Rose: Die ungelöste sexuelle Spannung zwischen den beiden Charakteren ist sparsam dosiert und klug platziert, verhilft nur hin und wieder zu einem neuen Spannungs-Drive oder gibt der Figur des Doctors neue Facetten, z.B. wenn er sich plötzlich eingestehen muss, dass er doch nicht emotional unbeteiligt ist. Zudem geht es bei der ganzen Romance-Thematik in der Serie um romantische Liebe im tiefsten Sinne des Wortes: Füreinander da zu sein, dem anderen die Einsamkeit zu vertreiben, ein Spiegel für den anderen zu sein oder aus dem anderen die besten Seiten hervor zu locken. Körperlichkeit ist eigentlich fast nie ein Thema. Das kann man jetzt kitschig, unreif oder unrealistisch finden. Aber deshalb funktioniert der Doctor so gut als Superheld und deshalb funktioniert er auch als bester Freund genauso gut wie als Lover.

Und wer bei dieser Szene nicht weinen muss, ist aus Stein:

Man muss Russel T. Davies außerdem zugutehalten, dass seine Frauenfiguren zwar Teil dieser Liebeshandlungen sind, aber trotzdem als eigenständige Figuren aufgebaut werden, die ihre eigenen (nicht-klischeebehafteten) Lebensläufe und Probleme haben. Rose hat Konflikte mit ihrer Mutter, ihrem Freund Mickey, und ihrem Vater, zu dem sie in die Vergangenheit zurück reist. Martha Jones visiert eine Karriere als Ärztin an und Donna Noble wird von ihrer Familie ständig unterschätzt, weil sie „nur“ eine Büroaushilfe ist. Die Romantik, wenn sie denn vorkommt, ist ein nettes Gimmick, es geht aber meiner Meinung nach viel mehr um die tolle Chemie zwischen den Darstellern, zum Beispiel die witzigen Schlagabtäusche.

Frauenfiguren bei Doctor Who: Donna Noble

Donna ist die einzige reifere Begleiterin in der Russel-T.-Davies-Ära und zudem die einzige, die kein romantisches Interesse am Doctor hat, die beiden sind viel mehr beste Freunde, die sich aber ständig kabbeln. Der Grund, warum manche Fans Donna ablehnten, war der Grund, warum sie der Serie so gut getan hat: Sie ist nervig und streitsüchtig. Sie ist weder lieb (was man vielleicht Rose und Martha vorwerfen kann), noch lächelt sie die ganze Zeit. Sie sagt dem Doctor ihr Meinung und weist ihn zurecht, wenn er überheblich wird. Nachdem die Rose-Nachfolgerin Martha sofort einen unerwiderten „Crush“ zu „Nummer zehn“ entwickelte, war es ganz erfrischend, eine weniger verliebte, weniger leicht zu beeindruckende Begleiterin an der Seite des Doctors zu sehen. Und, genauso wichtig: Donna ist eine Frauenfigur abseits des Mainstreams, der ewig gleichen, jungen, verfügbaren Mädels. Der Doctor und Donna profitieren gegenseitig voneinander, sie bringt ihn auf den Boden der Tatsachen zurück, wenn er sich arrogant verhält, und er verhilft ihr zu mehr Selbstvertrauen. Daumen hoch dafür!

Neuer Doctor, neuer Look – die Steven-Moffat-Ära

Als Steven Moffat, auch bekannt als Showrunner und Drehbuchschreiber der Erfolgsserie Sherlock, mit der fünften Staffel für Doctor Who verantwortlich wurde, hat die Serie ein neues Gesicht bekommen – nicht nur wortwörtlich mit der Neuinkarnation des Time Lords durch Matt Smith, sondern auch im gesamten Look und in der Erzählweise. Als Doctor Who 2005 neu aufgelegt wurde, hatte die Produktion ein vergleichbar geringes Budget, denn der Erfolg war keinesfalls garantiert. Gerade dieser „billige“ Look, die optisch eher hässlichen Special Effects (UFOs, Aliens) und dazu der Arbeiterklassen-Charme von Rose und ihrer Mutter Jackie – das alles machte die Serie für mich liebenswert und authentisch. Die Special Effects wurden zwar bis zu Staffel 4 besser, die Serienfinale epischer, aber der Zauber blieb mit Tennants unbeschwerter Darstellung des Doctors, der unter der Oberfläche ganz schön tough sein kann, bestehen.

Sexismus in Doctor Who

Ab Staffel 5 (startete 2010) ist Doctor Who endgültig seinem trashigen Ruf entwachsen. Mit Moffats Übernahme und der Einführung von Amy Pond wurde alles teurer und schicker, aber auch oberflächlicher. Wir haben in der ersten Folge von Staffel 5 sogar einen Bullet-Time-Effekt (dieser aus Matrix bekannte Special Effect, dass ein Gegenstand in der Zeit einfriert und sich die Kameraperspektive um das eingefrorene Objekt herum bewegt. Wir erinnern uns: Die Szene friert ein, als dem elften Doctor klar wird, wer der getarnte Bösewicht sein muss.) Dieser Kulturwechsel wird aber nicht nur in teurer Optik deutlich, sondern auch in ziemlich platt gezeichneten Frauenfiguren als companions des Doctors.

Viel sex appeal, wenig Substanz: Amy Pond und Clara Oswald

Der Sexismus-Vorwurf ist meiner Meinung nach nicht unberechtigt, Amy Pond und Clara Oswald laufen fast durchgehend nur noch im Minirock rum, sind deutlich sexualisierter dargestellt als Rose, Martha oder Donna. Konflikte außerhalb von Liebeshandlungen haben diese Frauenfiguren nicht oder sie sind so unbedeutend dargestellt, dass man sie vernachlässigen kann. (Amys einsame Kindheit als Waise hat erstaunlich wenig Einfluss auf ihre Charakterisierung, Claras Leben außerhalb der TARDIS wird nur alibi-mäßig mit ein paar Szenen an ihrem Arbeitsplatz als Lehrerin angerissen). Amy definiert sich über ihre vielen Liebeskummer-Plots mit ihrem Verlobten, später Ehemann, Rory. Clara erlebt dasselbe in Grün mit Danny Pink. Jede Entscheidung, die diese Frauenfiguren treffen, hängt mit einem love interest zusammen. Ohne ihre Männer existieren Amy und Clara schlicht nicht. Bedenklich finde ich auch, dass Doctor Who als so großes, generationenübergreifendes Popkultur-Phänomen mit Vorbildfunktion keinen überzeugenderen Beruf für eine wichtige Frauenfigur finden konnte als den des Models (Amy Pond). So werden die Moffat-companions allein über stereotype weibliche Attribute charakterisiert, „Schönheit“ (Amy) und „Fürsorglichkeit“ (Clara als Lehrerin).

Mit der deutlich weniger sexy dargestellten Begleiterin Bill Potts, die obendrein lesbisch ist, hat Moffat das Ruder in Staffel 10 zum Teil herumgerissen. Blöd nur, dass auch der zwölfte Doctor leider eher zum Einschlafen ist und keinerlei Chemie zwischen ihm und seinen companions herrscht (dieses gewollt dramatische Finale von Staffel 9 mit dem riesigen Opfer des Doctors, das keinen mehr anrührt, tja was soll ich sagen …) Versteht mich nicht falsch: Steven Moffat hat schon in der Russel-T.-Davies-Ära einige sehr gute Drehbücher beigesteuert („The Girl in the Fireplace“, „Blink“, „Silence in the Library“), man sollte ihm aber wirklich nicht die Gesamtkonzeption einer Serie überlassen, sonst kommt sexistischer Blödsinn dabei raus. Siehe auch der mehr oder weniger subtile Sexismus in Sherlock.

Das Fandom rund um Doctor Who und seine Frauenfiguren

Die Serie hat ein besonderes Fandom, weil es Männer und Frauen gleichzeitig anspricht. Seit dem Revival natürlich verstärkt auch junge Frauen, aber ebenso viele Männer. Wir haben es also mit einem typischen Fangirl-Phänomen zu tun, bei dem nach Herzenslust „geshipped“ und fan fiction geschrieben wird, andererseits ist es eine Science-Fiction-Serie, die zu nerdigem Theoretisieren einlädt. Und die Nerd-Kultur wird ja landläufig immer nur mit Männern assoziiert. Allein dadurch leistet Doctor Who einen guten Beitrag zur Überwindung von Geschlechterklischees. Die „heartthrobs“ David Tennant und Matt Smith werden, meines Wissens, zudem von genauso vielen männlichen wie weiblichen Fans verehrt.

Jetzt wurde die Figur des Doctors endlich für das weibliche Geschlecht geöffnet. Laut Trailer wird „die Doktorin“ drei companions haben, zwei Männer und eine Frau, was sich für mich wie eine ziemliche Absage an jegliche Romance-Plots anhört (wie beim zwölften Doctor). Ich bin trotzdem gespannt, wie der weibliche Körper des Doctors in der Serie thematisiert wird, ob sie mit typischen Vorurteilen gegenüber Frauen (ist gefühlsduselig etc.) zu kämpfen haben wird usw. Ich werde von meinen Eindrücken berichten!

Fans von David Tennant und Billie Piper, beachtet folgende weitere Artikel auf Ant1heldin:

Billie Piper als Lily Frankenstein in Penny Dreadful

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8 Gedanken zu „Doctor Who – Frauenfiguren und Sexismus im Whoniverse

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  • 29. August 2018 um 12:49 pm
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    Toller Artikel!

    Ich bin/war (je nachdem, wie man es nimmt) ein großer Doctor Who-Fan. Einstieg fand ich tatsächlich erst mit Eleven, was daran lag, dass ich zu dem Zeitpunkt Tumblr für mich entdeckt hatte und die 6. Staffel gerade in Großbritannien anlief. Allein aus diesem Grund bin ich wahnsinniger Amy Pond-Fan (also dementsprechend vielleicht ein wenig befangen), aber ich muss dir zu den (zunehmend) sexualisierten Darstellung der Frauenfiguren zustimmen!

    Meine Sensibilisierung dazu kam leider erst im Nachhinein, vermutlich erst mit der Einführung Claras als Companion, weil sie für mich ein ziemlich hohler Charakter darstellt, der nur für den Doktor existiert. Ihr Aufbau mit ihren verschiedenen „Persönlichkeiten“, wie auch, dass sich ihre gesamte Storyline um den Doctor dreht, hat mich sehr verärgert. Sie ist kein gut geschriebener Charakter.

    Bei Amy kam es mir zumindest noch vor, dass sie ihre eigenes Leben hat. Du hast recht – auch sie ist sehr auf den Doktor fixiert, allerdings fand ich schon, dass ihr Leben als Waise sie sehr geprägt hat, so wie auch wie Elevens Verschwinden als sie acht Jahre alt war. Das hat sie sehr bitter gemacht, was auch mit Binde- und Verlustängsten zu tun hat (deshalb rennt sie ja in der Nacht vor ihrer Hochzeit weg). Aber ich möchte dir da zustimmen, dass Steven Moffat sich sonst wenig Mühe gegeben hat, sie weniger sexistisch zu gestalten (z.B. der Modelberuf.. usw.)

    Ich liebe Donna auch sehr, da Catherine Tate und Dave Tennant einfach eine Wahnsinns-Chemie haben (ich liebe auch ihre Projekte außerhalb von Doctor Who). Für mich war sie der beste Companion in der Russel T. Davis Ära, da mich Martha und Rose genervt haben, gerade weil ihnen so ein romantischer Plot angehängt wurde (aber auch ich habe bei Doomsday geweint). Wohl gemerkt, ich habe diese Episoden gesehen erst nachdem ich mit Eleven angefangen hatte.

    Auf Jodie Whitaker freu ich mich schon sehr – mit dem 12. Doktor hab ich nämlich aufgehört die Serie zu schauen, weil ich ihn schlicht und ergreifend langweilig fand. Ich glaube, für sie gibt es auch einen neuen Showrunner (oder hab ich da die falsche Info?), und ich finde es super, dass BBC sich mal was Neues traut. Davon könnten sich viele Medien was abgucken.

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    • 29. August 2018 um 2:59 pm
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      Hi Sanne,
      danke für deinen Kommentar und dein Lob!
      Ich fand Amy ja in Staffel 5 noch ganz süß, aber sie ist mir dann immer mehr auf den Geist gegangen. Die vielen Liebesplots zwischen Rory und Amy haben sich für mich angefühlt wie völlig abgetrennte Handlungsstränge einer soap opera, in der der Doctor eigentlich keine Rolle mehr gespielt hat. Der Höhepunkt war dann, als rauskommt, dass Amy inzwischen Model ist und sich von Rory getrennt hat, weil sie – Achtung – sich schuldig fühlt, weil sie Rory keine Kinder schenken kann! Da muss ich leider innerlich kotzen. Das ist natürlich das einzige, was sich Moffat als Motivation für Drama ausdenken kann: Eine Frau ist nur auf ihr Aussehen fixiert und darauf, wie sie ihrem Mann Kinder gebären kann. Ätzend.
      Ich weiß nicht, ob es nur mir so geht, aber Karen Gillian ist für mich auch keine gute Schauspielerin. Billie Piper und auch Jenna Coleman spielen meiner Meinung nach viel natürlicher. Aber ab Nummer Zwölf fand ich auch Clara super-langweilig. Das mit dem abgedrehten Idenität-Wechseln (impossible girl) mochte ich eigentlich ganz gerne.
      Das Problem beim ganzen Romance-Plot bei Nummer zehn war: Man hätte es mit Rose gut sein lassen sollen. Das war schön und überzeugend. Wenn dann noch so eine um die Ecke kommt, die den Doctor nur anhimmelnd (natürlich verständlicherweise, haha), wird es einfach zu viel. Nach Rose hätte gleich Donna kommen sollen.

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  • 26. August 2018 um 7:07 pm
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    Als companion hat mir von allen bisher gesehenen Staffeln Donna Noble gefallen; zu Bill Potts kann ich nichts sagen, weil ich die Staffel zwar aufgenommen, aber bisher noch gar nicht gesehen habe. Gerade bei Donna gefiel mir, dass sie keine Romanze mit dem Doktor im Sinn hat, und ihm auch mal die Leviten liest.

    Was die reiferen Companions angeht, fällt mir jetzt nur noch Sarah Jane mit ihrem Robodog K9 ein, die scheint aber bei den älteren Doctor-Who-Folgen ein Companion gewesen zu sein.

    LG
    Ulrike

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