Unerschrocken: 15 Biographien starker Frauen

Die Graphic Novel Unerschrocken porträtiert 15 Frauen der Weltgeschichte und erzählt damit 15 spannende Geschichten voller Dramatik, Witz, Einsamkeit und vor allem: mutiger Entscheidungen von Frauen aus ganz unterschiedlichen Epochen und Milieus. Wer noch ein Weihnachtsgeschenk sucht, sollte hier zugreifen! Ich erkläre, warum Unerschrocken so stark auf mich gewirkt hat.

Wegen des Weihnachtstrubels kommt hier nur eine kurze Empfehlung von mir, aber dieses tolle Buch möchte ich euch nicht vorenthalten. Ich meine die Graphic Novel Unerschrocken. Fünfzehn Porträts außergewöhnlicher Frauen von der Französin Pénélope Bagieu. Sowohl mit dem Inhalt als auch mit der Form dieses Werks beschreite ich Neuland. Das ist das erste Mal, dass ich eine Biographie und eine Graphic Novel bespreche, ich hoffe, ihr seht mir meine nicht vorhandene Expertise vor allem im Bereich des bildlichen Erzählens nach. 😉

Dieses Buch macht dich unschlagbar

Eine Freundin schenkte mir dieses Buch mit den Worten, sie selbst habe von einer Freundin darüber gehört „Wenn du dieses Buch liest, kommst du dir unbesiegbar vor!“ Das stimmt wirklich. Nach der Lektüre dieser fünfzehn Kurzbiografien dachte auch ich: „Wenn diese Frauen es schaffen können, warum dann nicht ich auch?“ Die wirklich unerschrockene und gleichzeitig gelassene Art, wie die dargestellten Frauen ihre Ziele verfolgen und sich nie beirren lassen, wirkte euphorisierend auf mich. Worum geht’s nun in Unerschrocken?

Unerschrocken Buchcover Reprodukt Verlag
© Reprodukt Verlag

Fünfzehn inspirierende Biographien in Unerschrocken

Das Buch ist nicht nur eine einfache Sammlung von weiblichen Lebensgeschichten. Die Stärke von Unerschrocken macht meiner Meinung nach die abwechslungsreiche Zusammenstellung der Biographien aus. Es wäre ja sehr einfach gewesen, einfach die berühmtesten starken Frauen der Weltgeschichte auszusuchen, ich denke da an Marlene Dietrich oder so legendäre Gestalten wie Cleopatra. Aber nein, auch ganz unbekannte Frauen oder solche mit ganz „unspektakulären“ Errungenschaften wie die Leuchtturmretterin Giorgina Reid kommen zu Wort. Und dann werden auch noch so harte persönliche Schicksale wie das der Tove Jansson oder der Christine Jorgensen erzählt. Jansson, die Erfinderin der „Mumins“, erkämpfte sich einen Platz als Zeichnerin in einer Männerbranche und musste auch lange ihre lesbische Beziehung vor der Öffentlichkeit verstecken. Und Christine Jorgensen wurde im falschen Körper (dem eines Mannes) geboren und litt an schweren Depressionen, bis sie in Schweden einen Arzt fand, der ihr zuhörte. Sie war die erste (bekannte) Frau, die sich einer Geschlechtsumwandlung unterzog. Sehr fasziniert hat mich auch die schier unerschöpflich kämpfende Sozialarbeiterin (und Friedensnobelpreisträgerin) Leymah Gbowee aus Liberia und die vergessene chinesische Kaiserin Wu Zetian, die für kurze Zeit ihre eigene Dynastie begründete. Netflix, wie wär’s mal mit diesen Stoffen? 😉

Die Form: Dramatische Schicksale locker-leicht beschrieben

Die Zeichnungen in Unerschrocken erschienen einem Laien wie mir erst etwas kindlich (die überzogene Darstellung von „bösen“ Charakteren, der punktuelle Einsatz von Schreibschrift, zum Teil sehr vereinfachte, karikaturhafte Darstellung von Vorgängen). Aber der erste Eindruck trügt. Denn in fast jeder Lebensgeschichte in Unerschrocken steckt Leid, Dramatik, Einsamkeit und auch in vielen ist körperliche, auch sexuelle, Gewalt ein wichtiges Thema. Diese Schicksale in vereinfachter Bildsprache wiederzugeben, schmälert ihre Wirkung nicht und verniedlicht sie auch nicht. Im Gegenteil. Die Darstellung von Leymah Gbowee mit blauen Flecken oder von Christine Jorgensen, wie sie verzweifelt weinend in der Badewanne sitzt, machen die Dramatik der Situation mindestens genauso greifbar wie ein Spielfilm. Und das Gute ist: Die beinahe humoristische Darstellung nehmen die Melodramatik aus den einzelnen Plots und verleihen ihnen einen trockenen, ironischen Humor. Mit einem Augenzwinkern wird hier angedeutet: Wir Frauen hatten und haben es nicht leicht, aber wir wollen doch mal sehen, ob wir unser Leben nicht in die eigenen Hände nehmen können. Das machte diese Biographien-Sammlung so tröstlich, so lustig und so motivierend!

Schaut euch auf der Homepage des Reprodukt-Verlags unbedingt die Leseprobe zu Unerschrocken an.

Fazit

Kauft dieses Buch und schenkt es euren Freundinnen, Schwestern, Töchtern, Müttern oder Nichten. Unerschrocken gibt Einblicke in die Entwicklung des Feminismus und deckt soziale Mechanismen und Vorurteile auf, die uns Frauen seit jeher das Leben schwer gemacht haben. Außerdem ist es einfach spannend und unterhaltsam, von so vielen tollen Frauen aus 2500 Jahren Geschichte zu lesen.

P.S.: Der zweite Band ist auf Französisch bereits erschienen, die deutsche Übersetzung ist in Arbeit! Juhu!

 

Bibliographische Angaben:

Bagieu, Pénélope: Unerschrocken. Fünfzehn Porträts außergewöhnlicher Frauen, Reprodukt: Berlin 2017, übersetzt von Heike Drescher und Claudia Sandberg, Handlettering von Olav Korth.

Französisches Original: Bagieu, Pénélope: Culottées, Gallimard: Paris 2016.

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4 Gedanken zu „Unerschrocken: 15 Biographien starker Frauen

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