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Traurige Feminismus-Bilanz für GoT: Warum Daenerys, Cersei und Brienne mehr verdient hätten

Frauenfiguren, die differenziert und klischeefrei erzählt werden, sprich: Feminismus gab es bei Game of Thrones schon lange nicht mehr. Die letzte Staffel der Fantasyserie setzt allem aber noch einmal die Krone auf. Fast alle Frauenfiguren erfüllen am Ende wieder das Rollenklischee der schwachen Frau, die auf die Hilfe der Männer angewiesen ist. Und wie war das noch mal mit Sansas Entwicklungsgeschichte zur „starken Frau“?

Daenerys GoT Feminismus

Daenerys

Die einstmals beliebteste Frauenfigur von Game of Thrones, gespielt von Emilia Clarke, wurde am schlechtesten zu Ende entwickelt. Sie war „the breaker of chains“ und Drachenmutter, hat Sklavenhalterstaaten unterworfen, nachdem sie ursprünglich selbst von ihrem Bruder als Sklavin verkauft wurde. Sie wurde vergewaltigt und hat sich später Liebhaber genommen, wie es ihr gefiel, hat sich eine Armee erkämpft und es bis nach Westeros geschafft. Aber am Ende will es der Plot anders. Das Erbe der Targaryens muss durchbrechen, Dany verrückt werden. Eine Entwicklung, die sich übrigens zu keinem Zeitpunkt vorher ankündigt. Noch in Staffel 7 hielt Daenerys eine Rede an ihre besiegten Feinde, dass sie im Gegensatz zu Cersei Lannister nicht vorhabe, Terror über Zivilisten zu bringen. Im völligen Gegensatz dazu legt sie in der vorletzten Folge von Staffel 8 trotzdem King’s Landing mit ihrem Drachen in Schutt und Asche, sogar nachdem die Stadt sich ergeben hat.

Bei einigen Diskussionen im Netz hieß es, Danys Wahnsinn habe sich von Anfang an abgezeichnet, weil sie z.B. nicht trauert, als ihr Ehemann Khal Drogo ihren machtgierigen Bruder Viserys tötet. Dieser Bruder hat sie ja nur als Sexsklavin verkauft. Selbstverständlich hätte sie da mehr Geschwisterliebe aufbringen müssen. Der Anstoß für Daenerys‘ Wahnsinn kann auch bei der endgültigen Zurückweisung durch „ihr“ Volk und ihre große Liebe Jon Snow gesehen werden. Zum Glück kommt er, der starke Held, zum Schluss und macht ihrem Irrsinn ein Ende, wie es sich gehört.

Was lernen wir aus Daenerys‘ Ende?

Frauen sollten grundsätzlich keine Macht bekommen, sie könnten sie missbrauchen. Gewaltopfer sind rachsüchtige, irrsinnige Wesen, die auf keinen Fall rationale Entscheidungen treffen können oder aus irgendeinem anderen Grund als ihrer Gewalterfahrung heraus Großes vollbringen können. Und: eine mächtige Frau bricht und wird verrückt, sobald sie nicht genug Liebe und Bestätigung erfährt. Die mit Abstand traurigste Feminismus-Bilanz von Game of Thrones.

 

Brienne FeminismusBrienne

Briennes (Gwendoline Christie) Ritterschlag in Folge 2 der achten Staffel war ein sehr bewegender Moment. Endlich wurde die Loyalität und der Durchhaltewillen dieser Frauenfigur belohnt, die sich nie von den Schmähungen der Männer beeindrucken ließ. Aber was sich schon seit einigen Staffeln bei Briennes Figur abzeichnete, wurde im Finale von Game of Thrones wieder bestätigt. Sie ist zwar eine starke Ritterin, dennoch stets abhängig von männlichen Figuren um sie herum, allen voran Jaime, der sie vor Vergewaltigungen retten musste. Die Ritterwürde bekam sie auch nur durch ihn. Im Finale taucht Brienne nur noch auf, als sie Jaimes Eintrag im Buch der King’s Guard-Wächter vervollständigt, anstatt ihren eigenen anzufangen. Sie verschwindet vollständig hinter Jaime, existiert nur für diese Männerfigur.

Was lernen wir aus Briennes Ende?

Eine Frau braucht immer einen Mann, um ihre eigene Identität zu bestätigen. Alles, was sie leistet, schafft sie nur durch die Hilfe von Männern. Brienne tarnte sich in früheren Staffeln als feministisches Vorbild, ihre Figur wurde dann aber jede Eigenständigkeit genommen.

 

Cersei Finale GoTCersei

Ähnlich wie Daenerys wurde Cersei (Lena Headey) erst mächtig, nachdem sie etwas Mächtiges geboren hatte – Königskinder oder eben Drachen. Nach dem Tod ihres letzten Sohnes setzte sie sich selbst als Königin ein. Danach verpasst die Serie aber, Cersei zu einer glaubwürdig eigenständigen, reifen Figur zu entwickeln. Denn natürlich kann eine Frauenfigur nicht „böse“ sein, ohne zu fallen. Ihre Selbstüberschätzung und wilde Rachsucht – vor allem nach dem Tod ihrer Kinder – wurde schon in Staffel 7 so übertrieben und dümmlich dargestellt, dass sie schon lange keine ernst zu nehmende Gegnerin mehr war. Nach dem Tod des Night Kings war der Rest nur noch Formsache. Cerseis Figur bedient ganz stark das Klischee der „Löwenmutter“, die nach dem Tod ihrer Kinder verrückt wird, weil sie unmöglich eine andere Identität als eben die der Mutterrolle annehmen kann. Am Ende stirbt sie in den Armen ihres Bruders. Das enttäuschende Ende einer einstmals mächtigen, unberechenbaren Figur.

Was lernen wir aus Cerseis Ende?

Habt Acht vor der hysterischen Mutter!

 

Sansa GoT Finale FeminismusSansa

Sansas Figur ging an dem Tag unter, als sie in der Hochzeitsnacht von ihrem Mann vergewaltigt wurde. Denn all ihre spätere – toll inszenierte und gespielte! – Stärke ließ sich dadurch hinterher allein mit ihrer Gewalterfahrung begründen, ganz ähnlich wie bei Daenerys. So entsteht der Eindruck, Frauenfiguren könnten in der Fiktion nur Stärke und Selbstbewusstsein entwickeln, wenn sie vorher sexuelle Gewalt erleben. Eine vordergründig „bestärkende“ Auffassung, die aber ein sehr gefährliches Bild von weiblichem Empowerment zeichnet. Sansa vertritt diese Auffassung ausdrücklich selbst: „Without Littlefinger and Ramsay and the rest I would have stayed the little bird all my life.“, sagt sie in Folge 4 von Staffel 8 zum Hound, der sie früher in King’s Landing immer als naives „Vögelchen“ verspottet hatte. Mit anderen Worten: alles, was Sansa (Sophie Turner) jetzt an Status und Selbstbewusstsein hat, verdankt sie allein ihren Peinigern.

Ja, Sansa herrscht seit Staffel 7 über Winterfell und wird im Serienfinale sogar zur „Queen in the North“ gekrönt. Wir dürfen aber nicht vergessen, dass sie erst in diese Machtposition kam, nachdem Jon Snow gnädigerweise zurückgetreten war und seine Schwester (eigentlich Cousine) regieren ließ.

Was lernen wir aus Sansas Ende?

Auch bei Sansas Beispiel sind es vor allem Männer, die sie erschaffen, mit Gewalt und mit Macht – ganz zu schweigen von der grotesken Annahme, Frauen könnten nur durch Gewalterfahrungen „stark“ werden. Die Szene, in der Sansa eigenmächtig bestimmt, dass der Norden als einziges Königreich unabhängig werden darf, ist ein letzter Versuch, ihr am Ende doch noch etwas Selbständigkeit zu geben. Dieser Twist wirkt aber sehr gewollt.

Zuletzt: Arya und Missandei als bloße „plot devices“

Arya als Rächerinnenfigur und Missandei (nebenbei die einzige Frauenfigur of Colour) als Köder für Cersei: Weitere Chancen auf die Darstellung unabhängiger Frauencharaktere verpassten die Serienmacher von Game of Thrones mit den Frauenfiguren Arya (Maisie Williams) und Missandei (Nathalie Emmanuel). Aryas plakative Nicht-Entwicklung zur Rächerinnenfigur erfüllte genau den Zweck, den sie haben sollte. Sie sollte einige lose Enden im Plot zusammenknüpfen, indem sie die entsprechenden Figuren beseitigt. Einziger Lichtblick: Als Arya Gendrys Heiratsantrag ablehnt, weil sie ihren eigenen Lebensweg wählen möchte. Missandei wurde geopfert, damit Daenerys‘ Umkippen in den Wahnsinn besser begründet werden kann.

 

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5 Kommentare

  1. Sabiene 30. Mai 2019

    Nach allem, was ich bislang über die 8. Staffel gehört habe, wundert ich gar nichts mehr.
    Der Fall von Daenerys wundert mich auch nicht. Erstens ging sie mir schon länger auf die Nerven und zweitens ist es doch immer so: Eine Frau, die sich wehrt und kämpft, gilt in den Augen der Männer als hysterisch, paranoid und sonstwas.
    Brienne hat mich enttäuscht. Sie hätte sich an den Thormund halten sollen. Die Wildlinge behandeln ihre Frauen gleichberechtigter, als die Königsmünder. Aber nein. Es musste ja der Jaime sein.
    Liebe Grüße Sabienes

    Antworten
  2. Stepnwolf 26. Mai 2019

    Die negative Entwicklung der Frauenfiguren vor allem in der letzten Staffel ist (neben diversen anderen Faktoren, die hier nicht näher bestimmt werden sollen) ein regelrechtes Manko, weil es im Endeffekt die so sorgsam aufgebauten weiblichen Charaktere (und das geschah in den vorherigen Staffeln durchaus sehr gut) konterkariert.

    Antworten
  3. Nicole 26. Mai 2019

    Ein toller Beitrag und ich kann dir in allen Punkten zustimmen. Ich bin ja auch so gar nicht zufriedne mit einigen Entwicklungen ,die die letzte Staffel genommen hat. Hatte ja auch getwitter, dass ich beispielsweise Danys Entwicklung nicht nachvollziehen kann und wurde da gleich eines besseren belehrt, ob ich denn nicht eine andere Serie gesehen hätte, das hätte sich doch alles angedeutet. Natürlich gab es immer wieder im Verlauf der Serie anspielungen auf den Wahnsinn ihrer Familie und auch mit ihren Feinden ist sie nicht zimperlich umgegangen, aber dabei hat es sich nie um Zivilisten und Unschuldige gehandelt. Die hat sie nämlich immer verschont, für sie gekämpft und beschützt, deshalb kam die Zerstörung der kompletten Stadt für mich ohne Grundlage. Dafür hätte es mehrere Folgen gebraucht, damit diese Wandlung logisch ist, zumal ich auch nicht verstehe, wieso man unbedingt diesen Weg gehen musste. Emilia Clarke hat das sicherlich toll gespielt, aber aus Danys Figur hätte man viel mehr machen können, gerade was weibliche Stärke anbelangt.

    Die Szene mit Sansa fand ich auch heftig, eine gefährliche Botschaft, die ich so auch nicht stehen lassen kann und möchte. Damit haben sie für mich ihre Figur auch kaputt geschrieben, auch wenn ich natürlich ihr Ende liebe. Ich hatte ja gehofft ,dass sie am Ende auf dem Iron Thron sitzt und das ganz aus eigener Leistung. Trotzdem bin ich froh, dass sie zumindest Queen of the North ist, schon alleine weil die Szene ihrer Krönung genial ist.

    Cercei war in dieser Staffel einfach nur enttäuschen. Sie hat ja auch nichts gemacht außer rumzustehen und Wein zu trinken? WTF. Das passt nicht zu dem Charakter, den wir am Anfang kennengelernt haben und war überhaupt kein würdiges Ende. Zumal man auch die schauspielerischen Qualität von Lena Headey so null genutzt hat. Totale Verschwendung von Talent.

    Bei Brienne fand ich die Szene als sie zur Ritterin geschlagen wurde toll, das war ein schöner Moment und eine tolle Botschaft. Aber ich hätte nicht die ganze Beziehungskiste mit Jaime gebraucht, vor allem da sie danach ja auch keine Rolle in der Serie mehr gespielt hat. Ja wir hatten dann den Eintrag, der war schön, aber ich hatte erwartet, dass sie danach auf einen Eintrag über sich stößt.

    Bei Arya bin ich auch enttäuscht. Ich sehe es wie du: Sie war ein reines Plot-Device in dieser Staffel. Die Szene als sie den Night King umbringt ist zwar optisch genial, aber danach machte ihre Handlung logisch kaum noch Sinn und war nur dazu da, um die Grauen des Krieges zu zeigen. Auch mit ihrem Abgang bin ich nicht zufrieden. Und bei Melissandre triffst du es auch, ihr Tod war lediglich Plot Device mehr nicht.

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