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El in Stranger Things Staffel 3 – Girl Power und Selbstbestimmung

Von Kathinka – Seit zwei Tagen kann man auf Netflix die lang ersehnte dritte Staffel der (jetzt schon) Kult-Serie Stranger Things bingen. Und wenn dann plötzlich der Epilog über den Laptop flimmert, kann man es gar nicht so recht fassen, denn es kommt einem wirklich nicht so vor, als hätte man schon wieder acht Folgen gesehen.

Aber das hier soll kein Review werden, keine Rezension der dritten Staffel. Denn es geht um einen Aspekt dieser Staffel, der so in den vorangegangenen nicht vorkam – nicht vorkommen konnte. Warum nicht? Nun, weil die Protagonisten noch nicht so tief in der Pubertät steckten wie in Staffel 3. Doch nun haben alle – selbst Will am Ende – ihre Kindheit hinter sich gelassen und damit auch ihre Unschuld (im Privaten, denn wenn wir ehrlich sind, hatte keiner der jungen Protagonisten wirklich eine Chance, lange unschuldig zu bleiben). Die Probleme – neben dem Untergang der Welt – drehen sich nun um Veränderungen in der Dynamik des Freundeskreises, die eigene Identität, die erste große Liebe, damit einhergehend Eifersucht und Geschlechterverhältnisse. Dieser Artikel enthält minimale Spoiler.

stranger things 3 el und freunde

El und Mike, eine „puppy love“ von kurzer Dauer

Zunächst muss mal gesagt werden, dass El und Mike in der ersten Folge ein ganz bezauberndes Paar abgeben, mitreißend, rührend, berührend. Doch es kommt, wie es kommen muss, es droht Ärger im Paradies. Denn Els Ziehvater Hopper hat genug vom Rumgeknutsche (das ist zumindest das, was der Zuschauende anfangs denkt). Er sabotiert die Beziehung, indem er Mike droht, der sich daraufhin von El zurückzieht. El, die noch völlig unerfahren auf dem Gebiet der „puppy love“ ist (man hört beinahe Paul Anka singen), merkt immerhin, dass Mike ihr nicht die Wahrheit erzählt. „Friends don’t lie“ – dieses Credo zog sich schon durch die ersten beiden Staffeln von Stranger Things. Sie macht mit Mike Schluss, dem schnell dämmert, dass er den Fehler seines jungen Lebens gemacht hat. „I dump your ass“ – deutlicher kann man es nicht machen.

Max, die mit Lucas geht, ist deutlich abgeklärter. Sie nimmt El unter ihre Fittiche und bringt ihr eine ganze Menge wichtige Weisheiten bei. Dass man wissen sollte, wer man ist. Dass man wissen sollte, wie man aussehen will. Dass Mädchen keine andere Spezies sind als Jungs. Dass Mike und Lucas Idioten sind.

Selbstbestimmung geht vor falsch verstandener Romantik

Für die Zuschauer mag Max anfangs anstrengend wirken. Schließlich ist sie neben Hopper in Stranger Things 3 das sabotierende Element der Beziehung zwischen El und Mike – dieser zauberhaften jungen Liebe, die einmal mehr nostalgische Gefühle aufkommen lässt. Doch warum will man als Zuschauer überhaupt um jeden Preis, dass Mike und El zusammen sind? Weil sie sich lieben – völlig klar. Aber nach und wird deutlich, dass schon vor Hoppers Einmischung nicht alles rosig war zwischen den beiden. Nur wurde das durch die Honeymoon-Phase überdeckt. In dem Moment, da der Zauber gebrochen ist, bröckelt auch anderes. Besonders deutlich wird dies in einer Szene, in der Mike glaubt, besser zu wissen als sie selbst, was gut für El ist und was sie sich zumuten kann. Max versucht ihm zu erklären, dass El selbst für sich entscheiden kann – selbst für sich die Verantwortung trägt – und holt sich sogar Nancy als Unterstützerin hinzu. Geballte Girl Power!

Das ist die Stelle, an der klar wird, dass Max von Anfang an Recht hatte: El muss erst lernen, ihre eigene Person zu sein – denn diese Möglichkeit hatte sie nie –, ehe sie sich in eine so symbiotische Beziehung wie die erste große Liebe stürzen sollte. Und dafür hat sie Max.

Max als Mentorin von El

Max ist großartig in ihrer Rolle als gleichaltriger Mentorin. Sie übt keinen Druck auf El aus, eröffnet ihr nur Möglichkeiten. El soll selbst entdecken, was ihre Grenzen sind (körperlich, emotional, räumlich), dafür braucht sie keinen Beschützer. Denn wer die Serie verfolgt hat, weiß, dass El ohnehin die stärkste Person ist. Wenn überhaupt, beschützt sie alle anderen in Stranger Things. Dass sie selbst dabei oft zu kurz kommt, zeigt nun Staffel 3: Ihr Teenagerleben spielt sich außerhalb des normalen sozialen Gefüges ab, sie verbringt ihre Tage nicht Eis essend und shoppend in der neuen Mall. Sie definiert sich nur über ihre Kräfte und die Beziehungen, die sie zu Hopper und Mike hat. Doch das ändert sich, als sie in Max eine Freundin findet. Denn Max befähigt El, ein Leben – und später eine Beziehung – nach ihren Regeln zu führen.

Beeindruckend: Als sie Mike mit seiner Aussage konfrontiert, Mädchen seien eine andere Spezies, und er schockiert fragt: „Did you spy on me? That’s totally against the rules“, kontert El gelassen: „I make my own rules“. So wie Max es ihr beigebracht hat. Dass es für Mike einfacher und angenehmer war, bevor sie sich eingemischt hat, ist vollkommen klar. Dass es für den Zuschauenden schöner ist, zwei glückliche Teenager beim Händchenhalten zu beobachten, als deren Beziehungsprobleme gezeigt zu bekommen, steht außer Frage. Und doch ist es notwendig für den Plot, um mehr zu bieten als nur die nächste Teenager-Romanze. Genauso wie es auch im echten Leben wichtiger sein kann, mit sich selbst klar zu kommen, als auf Teufel komm raus eine Beziehung führen zu wollen. Dabei geht es nicht darum, alles allein machen zu wollen oder ohne Rücksicht auf Verluste sein Ding durchzuziehen, aber man sollte doch wissen, was „sein Ding“ ist und wie man es zur Not allein durchziehen kann. Danke Max!

Lest auch, warum die Feminismus-Bilanz in der finalen Staffel von Game of Thrones so traurig ausfällt. Außerdem gibt’s auf Ant1heldin weitere Serien-Kritiken.

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