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#bakerstreetblogs

Stationen eines Holmes-Nerds

Zum (vorläufigen) Abschluss unserer Blogaktion #bakerstreetblogs sprechen fiktion fetzt und ich heute über unsere persönlichen „Holmes-Momente“. Das sind besondere Erlebnisse mit dem Fandom und dem Phänomen „Sherlock Holmes“, schöne Erkenntnisse über das literarische Holmes-Universum, oder einfach nur private Momente mit der Lektüre einer lang geliebten Sherlock-Holmes-Geschichte. Damit ziehen wir ein kleines Fazit unter unsere Artikelreihe – und blicken außerdem in die Zukunft! Die #bakerstreetblogs gibt es nämlich bald als Hörbuch beim Maritim-Verlag!

persönliche holmes erlebnisse ant1heldin

Meine persönlichen Fan-Momente mit Sherlock Holmes – das ist viel mehr, als „nur“ immer wieder die Krimigeschichten von Arthur Conan Doyle zu lesen. Hier kommt eine kleine Liste an Holmes-Erinnerungen und -Erlebnissen, die ich besonders hüte. Ich gehe grob chronologisch vor – beginnend beim ersten Holmes-Kontakt von Klein-Sabine mit 7 Jahren bis hin zu aktuellen Themen, die mich begeistern.

Die Abenteuer der Shirley Holmes – wie für mich alles begann!

Jeden Samstag früh lief in den 90ern das Kinderprogramm ab 6 Uhr morgens im Ersten. Dort traf ich noch völlig unwissentlich auf meine erste Sherlock-Holmes-Inkarnation. Denn dort lief die Kinderserie Die Fälle der Shirley Holmes! Das war eigentlich mehr Harry Potter als Holmes, weil es um ein Teenager-Mädchen geht, das eine feine Privatschule in Kanada besucht, und dort seine Fälle löst, aber egal. Dieses kluge, selbstbewusste Mädchen hat mich damals total beeindruckt. Shirley Holmes, letzte Nachfahrin von Sherlock Holmes, ist ca. 13 Jahre alt und kann schon ermitteln wie die „echte“ Polizei. Wenn es einen Tatort in der Stadt gibt, sucht sie dort auf eigene Faust nach Spuren und zieht dann ihre Schlüsse. Diese Selbständigkeit hat mir als Kind sehr imponiert. Shirleys etwas trotteliger Sidekick Bo tut sein Übriges, dass man als junger Zuschauer Shirley noch mehr bewundert. Erst buchstäblich vor ein paar Monaten fiel mir ein, dass das meine erste Begegnung mit dem Detektiv aus der Baker Street war! Hier das Intro, leider nur in schlechter Qualität:

Meine erste Holmes-Geschichte: Der Hund der Baskervilles

Mit ca. 11 Jahren las ich meine erste Sherlock-Holmes-Geschichte, nämlich Der Hund der Baskervilles. Das ist übrigens so eine Frage, die sich Sherlockianer*innen gerne beim ersten Treffen stellen: „Und, mit welcher Geschichte hast du angefangen?“ Da alle Geschichten als stand-alones gelten können, ist es faktisch egal, in welcher Reihenfolge man sie liest. Nichtsdestotrotz gibt es unter Nerds verschiedene empfohlene Herangehensweisen, wie man die Geschichten liest – entweder chronologisch nach Veröffentlichungsdatum oder nach der inneren Chronologie von Holmes‘ Biografie – und seine erste Holmes-Lektüre bleibt für jeden Sherlockian einfach die, die man in besonders guter Erinnerung behält. Als Grundschülerin stand ich schon immer sehr auf Gruselgeschichten (Der kleine Vampir & Co.), deshalb hat mich das Cover meiner damaligen Baskerville-Ausgabe mit „Höllenhund“ als Motiv natürlich gleich angefixt. Ich weiß von meinen damaligen Leseeindrücken nicht mehr viel, aber ich kann mich noch an diese alles überstrahlende Bewunderung für Holmes erinnern, in die man unweigerlich verfällt: Während Watson sich im Dartmoor abmüht, Spuren zu sammeln, hält sein Freund eigentlich schon alle Fäden in der Hand und kann den „Höllenhund“ am Schluss natürlich als Fälschung entlarven. Schon damals habe ich Holmes als seltsame, unerreichbare Figur empfunden, wie ein Superstar. Der übermächtige Holmes kam für mich zu diesem Zeitpunkt auch wie gerufen. Ich war als Kind und Teenagerin oft deprimiert wegen der schwierigen Scheidungsgeschichte meiner Eltern und weil ich als schüchterne „Streberin“ kaum Freunde hatte. Da bot mir dieser kauzige Detektiv eine willkommene Ablenkung und eine Art literarisches Zuhause, in dem ich mich die nächsten Jahre über einrichten sollte. Die von ACD sehr gelungen in Szene gesetzte Gruselstimmung in der Geschichte tat natürlich ihr Übriges, um mich nachhaltig für Holmes zu begeistern.

Krimis, Krimis, Krimis!

Holmes war der Anfang, danach entdeckte ich die ganzen Krimiklassiker für mich. Mit 12, 13 Jahren hatte ich eine totale Binge-Reading-Phase von allen Agatha-Christie-Romanen, die ich in der Bücherei in die Finger kriegen konnte. Aber das Genre für mich entdeckt habe ich durch Arthur Conan Doyle. Bis heute mag ich bei Krimis klassische Whodunnits am liebsten.

Sherlock Holmes als „Zuhause in der Fremde“

Dieses Erlebnis ist mir besonders im Gedächtnis geblieben, obwohl es nur die Erinnerung an eine einfache Situation ist: Ich sitze in den Ferien nach meinem ersten Semester in der ersten Frühlingssonne auf dem Unigelände und lese die Geschichte Der Mann mit dem gebückten Gang. Ja, das weiß ich noch so genau! Ich war in der fremden Stadt, war allein von zu Hause fortgegangen und hatte mein erstes Semester mit guten Noten geschafft. Jetzt saß ich da und las Holmes. Es war ein ultimatives Gefühl von Sicherheit, Angekommensein, etwas geschafft zu haben. Wahrscheinlich habe ich genau aus dem Gefühl der Fremdheit heraus die Holmes-Geschichten ausgepackt: Ich wollte ein Stück Zuhause in der Fremde, und SH hat mir dabei geholfen, dieses Fremdheitsgefühl zu überwinden.

Die Offenbarung, Holmes im Original zu lesen

Im zweiten oder dritten Semester kaufte ich mir meine erste englische Sherlock-Holmes-Gesamtausgabe. Es war eine ganz billige für insgesamt 10 Euro, mehr Budget hatte ich nicht, aber ich war ultimativ glücklich und werde nie mehr das Gefühl der „Erleuchtung“ vergessen, als ich zum ersten Mal in den originalen Holmes-Sound eintauchte. Er ist knapper, präziser, fremder (durch die alte Sprache) aber auch aufregender als der übersetzte deutsche Sound (das kommt natürlich auch auf die Übersetzung an). Ich denke, es lag auch daran, dass ich zu dem Zeitpunkt als Erwachsene einen neuen Zugang zu Holmes fand, andere Aspekte wertschätzen konnte als noch als Teenager. Außerdem fing ich gerade an, literaturwissenschaftliche Themen und Theorien zu verstehen und auf Texte anzuwenden. Eine aufregende Erfahrung.

Adapting Holmes: So spannend kann es sein!

Die Serie Sherlock verhalf mir zu der unschätzbaren Erkenntnis, wie aufregend eine moderne Adaption von Sherlock Holmes sein kann, wenn man sie mit so viel Hingabe macht wie Steven Moffat und Mark Gatiss. Dass sie den Stoff in gewissem Sinne respektlos behandeln, ihn grob anpacken, um ihn für heutige Zuschauer spannend zu machen – und wie er trotzdem immer noch durch und durch Holmes ist. Vorher war mir nicht klar, wie spannend eine Adaption sein kann. Ich hatte zuvor vor allem traditionelle Verfilmungen mit Holmes im viktorianischen London gesehen, nett, aber nur ein blasser Abklatsch.

Sherlock Holmes Museum London

Der Himmel für alle Sherlockianer: auf Holmes‘ Spuren wandeln in London

Die Sherlock-Holmes-Tour in London, die mir Freunde damals zum 26. Geburtstag geschenkt haben, ist ein ganz besonderer Erinnerungsschatz für mich. Als Fan kann man nicht anders, als sich bei so einer Tour dem großen Meisterdetektiv nahe zu fühlen. Die Tour beinhaltete Schauplätze, die in den Geschichten vorkommen. Das ist z.B. das türkische Bad, das Holmes und Watson regelmäßig besuchen, erwähnt in der Geschichte An Illustrious Client, oder das „Northumberland-Hotel“, in dem der Klient von Der Hund der Baskervilles absteigt. Heute ist das Haus an der Adresse ein Sherlock-Holmes-Pub mit einer Sammlung Holmes-Memorabilia. Aber auch Drehorte von Verfilmungen wurden gezeigt, vor allem von Sherlock und den Guy-Ritchie-Filmen.

Dabei kam raus, wie viel Mühe sich die Sherlock-Macher gegeben haben, an Originaldrehorten möglichst viel Anspielungen und Verweise auf die Schauplätze in den Geschichten zu setzen. In A Study in Scarlet sitzt Watson in der Bar des Criterion Variétés und trifft dort auf seinen ehemaligen Kollegen Stamford, der ihm wiederum von Sherlock Holmes erzählt. In der Serie sitzt Watson in der ersten Folge in einem Park und hat einen Coffee-to-go-Becher in der Hand, auf dem „Criterion Bar“ steht. So viel Mühe für Details haben sich die Produzenten gegeben! Die Tour ging aber auch zu realen Schauplätzen, z.B. dem ehemaligen Standort der Redaktion des Strand Magazines (in dem alle Holmes-Geschichten erschienen), zu dem Theater, wo William Gillette Anfang des 20. Jahrhunderts dem ersten Bühnen-Holmes Leben einhauchte usw. Ausgerechnet die Baker Street 221b ist im realen London ja eigentlich nicht rekonstruierbar – zu Zeiten der Veröffentlichung der Geschichten war die Straße noch nicht so lang, dass sie eine Nummer 221 gehabt hätte. Heute hat man das Sherlock-Holmes-Museum dort platziert, wo man Holmes‘ und Watsons Wohnsitz vermuten könnte.

Neuer „Stoff“: Gute Pastiches entdecken

Dank Karo und den #bakerstreetblogs lernte ich die Pastiche-Geschichten von Lyndsay Faye kennen (danke noch mal!). Es hört sich pathetisch an, aber es ist so wunderbar, wie Faye den Sound der originalen Geschichten nachahmen und sogar noch spannender machen kann! Ich fand tatsächlich z.T. diese Pastiches besser als das Original – weil sie die Freundschaftsbeziehung zwischen Holmes und Watson noch mehr in den Mittelpunkt rücken und ausleuchten.

Die #bakerstreetblogs als Hörbuch!

Diese Blogaktion geht jetzt erst einmal zu Ende und ich werde ein bisschen wehmütig, weil mir die intensive Auseinandersetzung mit Holmes sehr viel Spaß gemacht hat. Aber sie nimmt eben auch viel Recherche- und Schreibzeit weg, die wir gerne noch für viele andere Themen hätten. Vielen Dank an Karo für all die wunderbaren Diskussionen und Gespräche, die wir sicher nicht zum letzten Mal gehabt haben – und vielen Dank an euch fürs Lesen, Teilen und Unterstützen!

Ein besonderes Highlight ist für fiktion fetzt und mich, dass wir den Maritim-Verlag auf uns aufmerksam gemacht haben! Ja, das ist der Verlag mit den nostalgischen Sherlock-Holmes-Hörspielen, den ich in meinem Artikel zu Holmes-Medien beim letzten Mal erwähnte. Demnächst erscheint dort die erste Hälfte unserer Texte als Hörbuch! Kein Witz! Karo und ich rasten auch gerade aus!

Der Text wird gelesen von Ulrike Johannson, es gibt jede Menge musikalische Untermalung und Soundeffekte (seid besonders gespannt auf den „Battle der modernen Holmes-Adaptionen“) und die Zitate aus den Holmes-Geschichten kommen wieder von Christian Rode und Peter Groeger, den Sprechern von Holmes und Watson in den Maritim-Hörspielen.

Wir geben euch noch das genaue Veröffentlichungsdatum bekannt und dann heißt es – ab zu Spotify und Co., denn dort könnt ihr die #bakerstreetblogs rauf und runter hören!


Lest euch auch Karos persönliche Holmes-Erlebnisse durch, denn sie fand zuerst durch die Serie Sherlock zum Fantum, und las erst danach die Bücher. Habt ihr auch besondere Erinnerungen, die ihr teilen möchtet? Gerne!

Achtung, Achtung: Die #bakerstreetblogs gibt’s jetzt auch als Hörbuch vom Maritim-Verlag!

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4 Kommentare

  1. Chrissi 13. Juni 2019

    Liebe Sabine,

    das ist ja mega cool! Glückwunsch.
    Gebt unbedingt Bescheid, wenn das Hörbuch fertig ist!!

    Habt ihr in Dingen der Beiträge noch eine „2. Staffel“ geplant?

    Liebe Grüße
    Chrissi

    Antworten
    1. Sabine 7. Juli 2019

      Liebe Chrissi, für die nächste Zeit ist noch nichts fest geplatn, aber ich sag mal niemals nie! 😉 Das Thema Sherlock-Holmes-Popkultur ist ja zum Glück unerschöpflich.
      Vielen Dank für die Glückwünsche 🙂

  2. Sabrina 9. Juni 2019

    Liebe Sabine,

    ich werde Holmes sonntags vermissen, aber dann kann ich mir ja in Zukunft einfach euer Hörbuch anhören! Das klingt richtig richtig gut und ich freue mich schon riesig darauf!!

    Liebe Grüße
    Sabrina

    Antworten
  3. Isabel 9. Juni 2019

    Liebe Sabine, danke für Eure tolle Reihe! Grandios die Hörbuchsache, herzlichen Glückwunsch. Freu mich schon drauf. Liebe Grüsse Isabel

    Antworten

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