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Das Sherlock-Holmes-Fandom: Gender, Sexismus und sherlockianische Hingabe

Die einen diskutieren, ob Holmes lieber Tee oder Kaffee trank, die anderen verehren ein lila Hemd, das Benedict Cumberbatch mal getragen hat: Alle plemplem? Nein, Fans! Die #bakerstreetblogs beleuchten diese Woche das wunderbare und manchmal skurille Sherlock-Holmes-Fandom. Was gehört dazu, ein „echter Sherlockian“ zu sein? Wofür interessieren sich Holmes-Fans heute im Gegensatz zu früher? Es wird auch um Misogynie im Fandom gehen, wovon leider besonders die „Sherlockiana“ nicht frei ist. Karo von fiktion fetzt beschreibt in ihrem Artikel, wie sie zum Holmes-Nerd wurde und welche Seiten der heutigen Fankultur sie interessant findet  – schaut auch bei ihr mal rein!

Haha, ausgetrickst, ich habe euch seit fünf #bakerstreetblogs-Folgen angelogen. Ich bin gar keine „Sherlockian“! Nein, keine Sorge, ganz so ist es nicht. Die Sache ist nur, dass alteingesessene Fans diesen Begriff mit einer bestimmten Sorte Holmes-Fan verbinden, zu der ich mich nur bedingt zähle. Anstatt wilde Fantheorien zu entwerfen, genieße ich nämlich lieber das Originalwerk oder eine gut gemachte Adaption – aber der Reihe nach.

Die Komplexität von Fandoms hier darzustellen, wäre völlig unmöglich, zumal es so viele unterschiedliche gibt und sie seit ca. 30 Jahren auch Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchungen sind. Meiner Meinung nach kann man aber alle Fandoms, die ein fiktives erzähltes Universum betreffen, seien es Bücher, Filme oder TV-Serien, ihrer Funktionalität nach vergleichen. Egal, ob Trekkies, Star-Wars-Fans, Potterheads oder hier Sherlockians: Fans von erzählten Welten möchten: Klar, MEHR von diesen erzählten Welten. Das geschriebene/ gefilmte Hauptwerk reicht nicht. Erfreut sich ein Stoff einer gewissen Beliebtheit, wollen die Fans wissen, wie es weitergeht, wie die Vorgeschichte einer Figur aussehen könnte, was zwischen zwei Ereignissen im Hauptwerk passiert ist, wie sich Inkonsistenzen erklären lassen usw. Es geht um eine Art kreative Aufklärungsarbeit. Sherlockians (in Großbritannien auch: Holmesians) machen nichts anderes, nur, dass ihre Fanaktivität bei der Beschäftigung mit dem Hauptwerk von Arthur Conan Doyle die größte Vertiefung überhaupt erfährt: Sie nennen es „the Great Game“.

Das „Great Game“ im Sherlock-Holmes-Fandom

Schuld hatte ein gewisser Christopher Morley, der in den 1930er Jahren in New York die „Baker Street Irregulars“ ins Leben rief, den ersten Sherlock-Holmes-Fanclub überhaupt, und bis heute der größte und einflussreichste. Das Herzstück vom „BSI“ ist seit seiner Gründung seine publizistische Aktivität. Im „Baker Street Journal“, einem „Fanzine“, wenn man so will, erscheinen fünf Mal im Jahr Artikel von Sherlock-Holmes-Fans für Sherlock-Holmes-Fans. Aber nicht irgendwelche. Sie beschreiben, nein, sie sind, das GREAT GAME. Was ist nun dieses ominöse Spiel?

Einfach ausgedrückt, geht es beim „Game“ darum, zu beweisen, dass Sherlock Holmes und Dr. Watson wirklich existiert haben. Zu diesem Zweck werden z.B. Überlegungen angestellt, inwiefern ein bei Conan Doyle erwähntes Zugunglück mit den historischen Zeitungsberichten von Zugunfällen aus der Epoche übereinstimmen. Oder man überlegt sich, wie es zusammenpassen kann, dass Dr. Watson in einer Geschichte eine Kriegsverletzung an der Schulter, in der nächsten eine am Bein haben kann. Wenn ihr mich fragt: Conan Doyle hat geschlampt. Aber das wäre für einen „richtigen“ Sherlockian natürlich zu einfach 😉 Solche Inkonsistenzen werden dann mit großer Detailkenntnis des Holmes-Universums und viiiiiel Spekulation „wegerklärt“. Eine angebotene Lösung lautet z.B., dass es sich beim Erzähler von Holmes‘ Fallgeschichten nicht um eine Person, sondern um zwei handelte: Einen älteren Bruder und einen jüngeren! *Paukenschlag*

Zum „Great Game“ gehört auch, sich zu überlegen, in welcher Reihenfolge die von Dr. Watson veröffentlichten Fallgeschichten „tatsächlich“ in der Karriere von Sherlock Holmes passiert sind. Kein Witz, es gibt ganze Werkausgaben der Holmes-Geschichten, die den Werdegang des Detektivs auf diese Weise „rekonstruieren“. Das geschieht über die Erwähnung von historischen Ereignissen im Holmes-Kanon wie das goldene Thronjubiläum von Queen Victoria – und wenn es die nicht gibt (was meistens der Fall ist), dann zieht man eben historische Wetterdaten und dergleichen zu Rate. Ich wiederhole: Kein Scherz.

Ich bewundere diese absolute Hingabe an eine fiktive Welt, finde diese „Beweisführungen“ allerdings ein bisschen müßig. Warum ist es wichtig, zu wissen, wann ein Fall „wirklich“ passiert ist? Natürlich schwingt bei dieser Art von Pseudowissenschaft (nicht meine Bezeichnung!) auch eine gewisse Ironie mit, eine Art gespielte Ernsthaftigkeit, mit der diese Spurensuche betrieben wird. (Mir stellt sich aber die Frage: Wenn man sich so tief in ein Thema vergraben muss, um diese Beobachtungen überhaupt anstellen zu können, wie viel ironische Distanz kann man dann noch dazu haben? Weiter unten werdet ihr sehen: Manche BSIs tendieren dazu, sich selbst verdammt ernst zu nehmen.) Aber zurück zum BSI.

Die „Irregulars“ sind von jeher die großen „Gatekeeper“ des traditionellen Sherlock-Holmes-Fandoms. Nach dem Motto: Wer ein echter Sherlockian sein will, muss sich minutiös im Holmes-Universum auskennen und natürlich das Great Game spielen oder es zumindest befürworten. Dabei waren die BSI und ihre vielen Untergesellschaften lange Zeit nur Männern vorbehalten und entwickelten ihre eigenen Rituale und Festlichkeiten (z.B., sich verkleidet zum Dinner zu treffen und der Vorsitzende der Gruppe darf Holmes spielen). Das alles ergibt das Bild einer älteren, männlichen, weißen, selbstverständlich heteronormativen Fangemeinschaft, die sich vor allem mit dem Hauptwerk beschäftigt, den von Arthur Conan Doyle geschriebenen Sherlock-Holmes-Geschichten und -Romanen. Nur die gelten als „kanonisch“, sämtliche Nachahmungen, Verfilmungen, Fan Fiction usw. natürlich nicht.

Sherlock Holmes Statue

© pixabay

Die neue Generation Sherlockians: Jung, weiblich und experimentierfreudig

Die BBC-Serie Sherlock gab um 2010 herum den großen Anstoß: Die neuen Sherlockians kommen! Das neue Lager Holmes-Fans ist unter 30, weiblich, und beschäftigt sich vor allem mit (filmischen oder literarischen) Adaptionen des Stoffs. Die Holmes-Forscherin Ashley Polasek erklärt in ihrem Artikel zur sherlockianischen Fankultur sehr schön, warum das so ist: Fans interpretieren einen Text/ eine erzählte Welt neu, damit er ihre eigene Identität oder sogar ihre Sicht auf die Realität reflektiert („reflect their own identities, or more broadly, their outlook on the world“). Das ist ein zutiefst verständlicher Impuls, und außerdem grundlegender Bestandteil jedes Fandoms. Ich, als Fan, möchte mich in dieser geliebten fiktiven Welt gespiegelt sehen. Deshalb gibt es so viel Slash Fan Fiction, die Holmes und Watson als schwules Paar imaginiert und damit das heteronormative Weltbild der Ursprungs-Geschichten „auslöscht“. Deshalb gibt es so viele Holmes-Pastiches, die den Detektiv als Frau neu erfinden oder seine Nichte/Schwester etc. als genialen weiblichen Holmes-Verschnitt agieren lassen. Bei Arthur Conan Doyle spielen Frauen selbstverständlich nur eine untergeordnete Rolle und brechen (fast) nie aus dem Rollenklischee des hilflosen Weibchens aus.

Dieser transformative Impuls steckt jedoch auch in den Aktivitäten der Baker Street Irregulars. Christopher Morley, der Ur-Sherlockianer selbst, stellte einmal in einem Artikel eine sehr elaborierte Beweisführung an, warum Sherlock Holmes eigentlich Amerikaner war (Argument z.B.: Holmes hatte nicht viel für die Aristokratie übrig.). Ihr werdet lachen, aber, wie kann es anders sein: Morley war Amerikaner. Wenn euch diese Art von Überschneidung der alten und neuen Fan-Intentionen zum Holmes-Universum interessieren, dann lest den oben erwähnten Artikel von Ashley Polasek.

Das Aufkommen dieser neuen Sherlockians heißt natürlich nicht, dass alle Fans der jungen Generation vor allem Fan Fiction schreiben und nur moderne Adaptionen gut finden. Die Fan-Strömungen durchmischen sich auch. Es gibt genug junge Frauen, die bei den Baker Street Irregulars oder anderen Holmes-Gesellschaften aktiv sind, viktorianisch verkleidet auf Fan-Treffen gehen und beim Great Game mitmachen. Ich habe so eine Fangruppe selbst mal zufällig erlebt, das waren alles Leute um die 30, überwiegend Frauen, die im Kostüm eine gediegene Tea-Time in einem Café eingenommen haben. Inklusive Sherlock Holmes mit Deerstalker-Mütze, Pfeife und Inverness-Mantel!

Das Goldene Zeitalter für Sherlock-Holmes-Fans – oder doch nicht?

Mit Verkleidung oder ohne: Ich für meinen Teil bin heilfroh, dass es diese junge Fanbewegung gibt. Ihr haben wir eine Flut an neuen spannenden Sherlock-Holmes-Adaptionen zu verdanken: Neben vielen gelungenen Roman-Nachahmungen, die im 19. Jahrhundert spielen, gibt es heute YA-Romane, die Holmes und Watson als Teenager im 21. Jahrhundert ermitteln lassen, es gibt Romane mit Mrs. Hudson und Mary Watson als Ermittlerinnen, es gibt Hörspiele, Comics, Serien und vieles mehr. Gerade heute ist also ein sehr guter Zeitpunkt, um Sherlock-Holmes-Fan zu sein. Etwas schade finde ich allerdings, wenn der ursprüngliche Holmes-Kanon bei Fans und (Drehbuch-)Autoren überhaupt keine Rolle mehr spielt. Klar, jeder soll das konsumieren, was er oder sie will. Aber es gibt viele jüngere Holmes-Fans, die noch nie eine Sherlock-Holmes-Geschichte gelesen haben. Dabei macht es gerade Spaß, die versteckten Anspielungen auf Original-Geschichten zu entdecken und zu diskutieren, inwiefern die Figuren im Vergleich zur Vorlage modernisiert wurden usw. Lest dazu auch den Artikel zu meinem Vergleich zwischen Sherlock, Elementary und den Guy-Ritchie-Filmen.

Die ewige Leier: Männliche gegen weibliche Sherlock-Holmes-Fans

Es zeichnet sich schon in den modernen Adaptionen ab. Ob und auf welche Art und Weise Frauen in einer Sherlock-Holmes-Adaption vorkommen dürfen (gar in der Rolle von Holmes oder Watson selbst!) ist immer wieder Gegenstand von hitzigen Diskussionen. Alteingesessene Baker Street Irregulars argumentieren natürlich damit, dass nur die Treue zum Hauptwerk zählt und da sind Frauen eben höchstens die hilflosen Jungfrauen, die von Holmes und Watson gerettet werden.

Aber: Wir sind ja alle nicht doof. Dass die Sherlock-Holmes-Geschichten die patriarchale Welt der Viktorianer und Edwardianer spiegelt, in der sie entstanden sind: geschenkt. Warum man davon eine Misogynie ableiten sollte, die sich sowohl auf den Umgang mit den Holmes-Geschichten, als auch auf die Fankultur selbst bezieht, ist mir schleierhaft. Dennoch gibt es sie: Bis 1991 (!) waren Frauen als aktive Mitglieder bei den Baker Street Irregulars verboten. Im Great Game sind die wenigen Frauenfiguren, die bei Arthur Conan Doyle vorkommen, kaum mal ein Thema. Lange sah sich der BSI eben als exklusiver Gentleman’s-Club, der den Input von Frauen zur Sherlockiana nur belächelte. Der Grund: Die alteingesessene Fan-Riege sah sich immer mal wieder von jungen, meist weiblichen Fans in ihrer (imaginierten) Elitestellung bedroht.

In den 80er Jahren erschien die Sherlock-Holmes-Serie mit Jeremy Brett, eine werkgetreue Verfilmung aller Holmes-Geschichten. Jeremy Brett spielte Holmes nicht nur mit größter Hingabe, er sah auch noch gut aus und hatte eine große weibliche Anhängerschaft. Das nahm der damalige Chefredakteur des Baker Street Journals, Philipp Shreffler, schon zum Anlass, sich abschätzig über diese jungen Holmes-Anhängerinnen zu äußern. Als sich – großer Schock! – die Geschichte wiederholte und Benedict Cumberbatch in Sherlock erneut junge, weibliche Fans auf das Holmes-Universum aufmerksam machte, holte Shreffler 2012 in einem geleakten Artikel erneut zum Rundumschlag aus: Ein wahrer Sherlockian sei ein „Holmes-devotee“, nicht ein „Holmes-fan“, denn der „devotee“ (Mann oder Frau) habe eben noch Klasse, der „fan“ nicht:

„The devotee is a person of language, of words; the fan is more commonly a person of half-ideas, half-expressed. The devotee is comfortable in genteel, dignified Sherlockian surroundings; the fan (dare we suggest this?) is at home at a science-fiction convention.“

Shreffler richtete sich im Laufe des Textes mit seiner Kritik direkt an die Baker Street Babes, eine weibliche Sherlock-Holmes-Fangesellschaft, die auch regelmäßig einen Podcast herausgibt. Er greift einen Artikel von Baker-Street-Babes-Mitglied Jeanette Laredo direkt an. Darin äußert sie sich begeistert über Cumberbatch’s Darstellung von Sherlock Holmes und vergleicht das moderne Fandom mit den ersten Baker Street Irregulars, was Shreffler natürlich nicht in den Kram passt. Denn selbstverständlich stehen für ihn die „wahren“, „intellektuellen“ Sherlockians weit über der jungen Generation von Holmes-Fans, die sich im Internet austauscht, anstatt in altehrwürdigen Printmagazinen ihre Gedanken zum Great Game zu veröffentlichen. Er unterscheidet daher „those intellectually elite devotees (…) from the “Sherlock fandom” of today“.

Allein diese Zweiteilung in „fan“ (=ungebildet, dumm) und „devotee“ (=gebildet) lässt doch schon tief blicken. Bei Sherlockians der alten Riege wie Shreffler ist es auch ganz schnell mal vorbei mit der spielerischen Ironie vom Great Game. Die Baker Street Babes, nicht zufällig Frauen, stehen für Shreffler für die „typische“ Art junger weiblicher Holmes-Fans, die nur noch tweets auf dem Handy tippen können und ansonsten keinen intelligenten Gedanken zustande bringen. Aber egal, denn: Sie wollen ja eh nur über Benedict Cumberbatchs Foto sabbern.

Dieser polemische (und saudumm-reaktionäre) Artikel wurde nicht veröffentlicht, sondern vorher geleaked. Falls es euch interessiert: Auf tumblr reagierte Jeanette Laredo auf Shrefflers Angriff und postete den gescannten Artikel von Shreffler gleich mit.

fanart sherlock holmes

Sherlock-Fanart © pixabay

Die übliche Abwertung von weiblich geprägten Fandoms

Ihr ahnt es – der eigentliche Fan-Gegenstand, die Adaption von Sherlock Holmes in einer TV-Serie, war bei Shreffler nicht mehr das Thema, sondern es ging ihm allein um plumpes Elitedenken und die sexistische Ausgrenzung einer Fangruppe, die sich für andere Dinge im Fandom interessiert als er selbst. Shreffler und seinesgleichen wollen sich nicht damit beschäftigen, ob Sherlock eine gute Holmes-Adaption ist. Sie wird von Frauen gemocht, also muss sie schlecht sein. Nicht nur im Rahmen von Fandoms, ganz allgemein tendiert die männlich geprägte Medienkritik dazu, weibliche Fandoms herabzuwürdigen, wie u.A. Aurelia auf geekgeflüster.de anschaulich beschreibt. Nehmt die Boybands der 90er, die Twilight-Reihe, was auch immer: es wird immer belächelt, weil junge Mädchen es gut finden. Männliche Trekkies sind irgendwie sympathisch und „Jungs brauchen halt ihre Spielwiese“, egal, ob die „Jungs“ schon über 40 sind – weibliche Sherlock-Fans sind peinliche hysterische Frauen, die endlich mal erwachsen werden sollen.

Ja, der moderne Holmes, der hier von Cumberbatch dargestellt wird, wurde mit Absicht als „heart throb“ (Teenieschwarm) entworfen. Es sollte eben ein Spiel mit Holmes‘ Sexualität werden. Indem Holmes sexy und gleichzeitig androgyn gezeigt wird, wird der Zuschauer darüber verunsichert, mit wem und ob er in eine amouröse Beziehung mit einer der anderen Figuren tritt. Das ist ein (wenn auch freies) Spiel mit Motiven, die so in den Originalwerken angelegt sind. Das muss man nicht gut finden, interessant ist es allemal. Weibliche junge Fans, die Cumberbatch zum Sexidol erheben und sich selbst „Cumberbitches“ nennen, sind ein gewollter Effekt von dieser sexy Holmes-Inszenierung. Aber, guess what: Man kann Cumberbatch erotisch finden und TROTZDEM was in der Birne haben! Es ist sogar möglich, sich intelligente Gedanken über die BBC-Serie zu machen, OBWOHL sie von Frauen geschaut wird. Welche Erkenntnis.

Wenn ihr an einer weiblichen Perspektive auf das Sherlock-Holmes-Universum interessiert seid, kann ich euch die Baker Street Babes, sowohl ihren Podcast als auch ihre Online-Artikel, wärmstens empfehlen. Sie schreiben z.B. regelmäßig über Frauenfiguren, die im Holmes-Kanon vorkommen.

Wer ist nun der „richtige“ Holmes-Fan?

Das ist selbstverständlich eine rhetorische Frage. 😉 Für mich gibt es einzig das „Verbrechen“, nie in eine Holmes-Geschichte hinein geschaut zu haben, wenn man sich Sherlockian nennen möchte. Ihr könnt jetzt vielleicht verstehen, warum ich mich mit der traditionellen Fan-Riege nur teilweise identifizieren kann. Ich teile ihre Begeisterung für den Holmes-Kanon, die elitäre Ausgrenzung von jungen, weiblichen Fans – und deren Perspektive auf die Sherlockiana – natürlich nicht.

Das wilde Theoretisieren, wie es beim Great Game der Baker Street Irregulars betrieben wird, liegt mir persönlich einfach nicht. Ich finde es aber sehr unterhaltsam, darüber zu lesen: die schiere Hingabe an dieses fiktive Universum ist erstaunlich. (Übrigens nicht nur bei den BSI: die Fanaktion #IbelieveinSherlock aus dem Jahr 2012 zeigt, mit wie viel Engagement sich auch junge Holmes-Fans in ihr fiktives Universum hereinversetzen können – damals ging es darum, so zu tun, als sei die fiktive Handlung der BBC-Serie Sherlock wirklich passiert und sie, die Fans, müssten ihren Lieblingsdetektiv vor dem Vorwurf des Betrugs verteidigen. )

Meine Lieblings-Perspektive ist ganz klar die der Literaturwissenschaftlerin. Ich will wissen, wie eine Sherlock-Holmes-Geschichte aufgebaut ist, welche Erzählperspektive, welche Motive, Anspielungen usw verwendet werden. Dazu gehören dann natürlich auch alle Arten von Adaptionen: Macht sich die Nachahmung über das Original lustig oder ist es eher eine Hommage? Welche Motive werden aufgegriffen, welche nicht? Eine gut gemachte Holmes-Adaption ist ein absoluter sherlockianischer Hochgenuss! In meinem nächsten #bakerstreetblogs-Artikel werde ich darauf noch einmal genauer eingehen. Dann wird es um Sherlock-Holmes-Pastiches (Roman-Nachahmungen) gehen und welche Art von Pastiches ich spannend finde.

Welche Erfahrungen habt ihr mit dem Sherlock-Holmes-Fandom gemacht? Erzählt uns davon unter dem Hashtag #bakerstreetblogs!


Quellen:

https://journal.transformativeworks.org/index.php/twc/article/view/911/778

http://www.bakerstreetjournal.com/images/2001%20James%20Watson%20MD%20-%20Cynkin.pdf

http://bakerstreetbabes.tumblr.com/post/41481263409/the-elite-devotee-or-how-the-sherlock-fandom-is-a

Achtung, Achtung: Die #bakerstreetblogs gibt’s jetzt auch als Hörbuch vom Maritim-Verlag!

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2 Kommentare

  1. Anna 14. Januar 2019

    So ein toller Artikel! Ich mochte schon die ganze Reihe, und auch hier bin ich wieder glücklich, wie verschiedene Layers von Erwartungen und Vorurteilen und problematischen Dingen, die sich neben allen tollen Dingen rund um den Stoff und das Fandom nachweisen lassen, ausgearbeitet wurden.
    Und yess, literaturwissenschaftliche Ansätze werden aktiv genannt!
    Ich bin sehr gespannt auf den nächsten Artikel!

    Antworten
    1. Sabine 18. Januar 2019

      Vielen Dank, Anna! Ja klar, die literaturwissenschaftliche Perspektive ist halt einfach die spannendste! 🙂 Darum wird es verstärkt dann im nächsten Artikel gehen.

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