Meine 3 Helden von der Frankfurter Buchmesse 2018: Margarete Stokowski, Volker Kutscher und Jennifer Clement

Diese drei Menschen aus der Literaturszene haben mich bei der Frankfurter Buchmesse 2018 begeistert: Margarete Stokowski, Volker Kutscher und Jennifer Clement. Ihr Lieben, an dieser Stelle kommt nur ein kleiner Ausschnitt meiner Highlights, weil ich noch mit anderen Beiträgen beschäftigt bin. Highlights persönlicher Art (z.B. Franzi, Karo, Mareike und viele andere Blogger (wieder) zu sehen) nehme ich dieses Mal aus.

Margarete Stokowski auf der Frankfurter Buchmesse 2018 im Spiegel-Interview:

In München hatte ich keine Karten mehr zur Lesung mit Margarete Stokowski bekommen – umso froher war ich, sie auf der Buchmesse Frankfurt sehen zu dürfen. Sie wurde vom Spiegel zu ihrem neuen Buch Die letzten Tage des Patriarchats interviewt. Dabei handelt es sich um eine Sammlung von Kolumnen und Essays zum Thema Sexismus, Feminismus, Macht, der #metoo-Bewegung, Rechtspopulismus usw, die Frau Stokowski seit 2011 verfasst hat. Ich fand es herrlich, wie ungestylt die Kolumnistin zum Interview kam, die Haare sind immer wieder aus dem unordentlichen Dutt rausgerutscht. Auch ihre Sprechweise ist sehr unprätentiös und direkt (ähnlich wie ihr Schreibstil). Ihre Stärke ist aus meiner Sicht, wie gut sie emotionale Themen in ihrem flapsigen Stil runterbrechen kann – und so die Opferhaltung von Feminismus-Gegnern („jetzt darf ich nicht mal mehr flirten“) auf lustig-trockene Art und Weise kontert . Zu dem Vorwurf, dass Frauen, die nach Jahren eine sexuelle Misshandlung anzeigen, sich nur in den Vordergrund spielen wollen (Stichwort Kavanaugh), sagte sie z.B.: „Es ist noch nie eine Frau durch so eine Sache auf eine schöne Art berühmt geworden. Das gibt es einfach nicht.“

Die letzten Tage des Patriarchats muss ich mir auf jeden Fall kaufen. Zu jedem Artikel soll es ausgewählte Reaktionen von Lesern dazu geben. Das könnte sehr traurig und sehr witzig werden. Ich bin gespannt!

Volker Kutscher auf der Frankfurter Buchmesse 2018 im ARD-Interview:

Volker Kutscher ist der Autor von Der nasse Fisch, der Vorlage zur ersten Staffel Babylon Berlin, und natürlich der ganzen Gereon-Rath-Krimireihe. Er wurde in der ARD-Halle von Bärbel Schäfer (jaaa, der Talkshow-Moderatorin aus den 90ern) interviewt, Anlass war die gerade gestartete Ausstrahlung von Babylon Berlin. Die Serie spielt Ende der 20er und handelt unter anderem vom Erstarken der nationalsozialistischen Strömungen.

Das Interview selbst war relativ kurz und die Fragen fand ich nicht sehr interessant („War es schwer für Sie, von Ihrem Stoff Abschied zu nehmen?“ – seine Buchreihe wurde von Tom Tykwer (!) verfilmt. Welcher Autor hat schon dieses Glück.). Volker Kutscher hat aber von sich aus ein paar spannende Aussagen gemacht. Er fand es z.B. wichtig, dass sein Protagonist, Kommissar Gereon Rath, die Zeichen der Zeit nicht durchschaut und es ihm erstmal egal ist, ob ein Nationalsozialist Polizeileiter wird oder jemand anderes.

Ich habe zwar nur die Serie gesehen, aber: Kutschers Ansatz, literarisch aufzuarbeiten, wie aus der ersten deutschen Demokratie in den 20ern eine der schlimmsten Diktaturen aller Zeiten werden konnte, finde ich sehr spannend. Ich muss gestehen, dass ich mit Literatur, die im Dritten Reich selbst spielt, nichts anfangen kann. Ich weiß, dass ich da ein Vorurteil hab und dass es sicher viele gute Beispiele gibt. Aber ich wurde von der Schule zu dem Thema so mürbe gemacht und wir haben dort so schrecklich kitschige Spielfilme zu dem Thema angeschaut, dass ich per se nichts Spannendes daran mehr finden kann.

Ich finde einfach die 20er Jahre kulturell, geistesgeschichtlich und auch historisch viel interessanter. Aus dem Muff des Kaiserreichs entwickelte sich nach dem Ersten Weltkrieg eine „experimentierfreudige, offene Gesellschaft“ (Zitat Kutscher). Dazu verschwammen die Geschlechterrollen, bei Frauen war der androgyne Look in, Männer haben sich geschminkt. Das alles stellt die Serie Babylon Berlin dar und verbindet es mit mehreren spannenden Krimi-Handlungen. Top!

Die Buchvorlage möchte ich auch noch lesen, gerade, weil es spannend ist, zu sehen, was die Serie daraus gemacht hat. Einige Konflikte sind in der Serie wohl stärker herausgearbeitet, auch soll Protagonistin Charlotte Ritte keine Prostituierte sein. Drückt mir die Daumen, dass ich demnächst mal Zeit dazu habe.

Jennifer Clement auf der Frankfurter Buchmesse 2018 beim „open books“-Festival:

Erst durch das Buchmessen-Programm habe ich von der amerikanischen Autorin Jennifer Clement erfahren. Ihre aktuelle Veröffentlichung beim Suhrkamp-Verlag fand ich sofort spannend und habe es als Rezensionsexemplar angefragt: In Gun Love geht es um zwei Außenseiter, die 14-Jährige Pearl und ihre Mutter, die in einem Trailerpark in Florida leben und mit der alles beherrschenden Waffengewalt zurecht kommen müssen. Dann tritt ein neuer Mann in das Leben von Pearls Mutter.

Jennifer Clement wurde im Rahmen des „open books“-Festivals interviewt. Ihre Persönlichkeit hat mich sofort fasziniert: Sie ist sehr blond und hellhäutig und sehr gepflegt, vom Aussehen der Inbegriff der wohlhabenden weißen Amerikanerin, aber sie ist in Mexiko aufgewachsen und kennt keine andere Heimat. In ihren Büchern kritisiert sie den American Way of Life, vor allem die Waffengewalt. Florida wurde bewusst als Handlungsort in Gun Love gewählt, wie im Interview herauskam, weil dort die laxesten Waffengesetze der USA herrschen. Sie thematisiert außerdem, wie die USA Mexiko als „Land der Gewalttätigen“ stigmatisiert, wo doch die USA täglich 20.000 Waffen nach Mexiko schmuggelt und damit sicher gute Geschäfte macht. Was auch noch interessant ist: sie macht die Waffengewalt zwar an den männlichen Figuren ihrer Romane fest. Aber sie möchte nicht als „Männerhasserin“ gesehen werden, es gibt auch sehr liebevolle Männer in ihren Romanen.

Ich bin gerade dabei, Gun Love zu lesen, und werde die Rezension dazu bald nachliefern.

Ich hoffe, der kleine Eindruck hat euch gefallen und ich konnte ein paar Lese-Anregungen liefern.

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